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Veranstaltung des Linken Forums Paderborn

DER FREIHEIT EINE GASSE
Dichtung und Lieder des "Vormärz" und der Revolution 1848/49
 
Infos...
Ein Veranstaltungsabend mit

Rolf Becker und
Eckhard Radau

Dienstag, 12. Dezember 2017
um 19:30 Uhr


Kulturwerkstatt
, Cafeteria
Bahnhofstraße 64, Paderborn

In Kooperation mit dem DGB, der GEW und ver.di (KV Paderborn)
 

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Zur Veranstaltung:


Im kommenden Frühjahr jährt sich zum 170. Mal der Beginn der Märzrevolution 1848. Der Schauspieler Rolf Becker und der Kabarettist und Sänger Eckhard Radau erinnern anhand der Dichtung und Lieder aus dieser Zeit an den Vormärz und die Revolution 1848 / 49 in Deutschland. Bürgerliche, Arbeiter, Bauern, Handwerker und Studenten erhoben sich gegen den herrschenden Feudaladel in den 38 deutschen Kleinstaaten. Trotz der Niederlage markiert diese Zeit den Beginn der Demokratie in Deutschland.


Presseberichte:

vom 16.12.2017


Lieder und Texte des „Vormärz“

Rolf Becker und Eckhard Radau beim Linken Forum


(lifo/cs) Alle Jahre wieder: Mittlerweile zum 13. Mal gastierte der aus Fernsehen und Theater bekannte Schauspieler Rolf Becker, diesmal in Begleitung des Paderborner Sängers und Kabarettisten Eckhard Radau, beim Linken Forum vor voll gefüllter Cafeteria der Kulturwerkstatt. Mit ihrem Programm zum so genannten „Vormärz“, also dem Zeitraum von 1815 bis zur Märzrevolution 1848, erweckten die Bühnenprofis Texte und Lieder von Georg Herwegh, Heinrich Heine, Adalbert Chamisso, Ludwig Börne, Ferdinand Freiligrath und Georg Weerth zu neuem Leben.

Alles „alte Hüte“? Mitnichten! War die Zeit der „Metternich-Restauration“ ab 1815 gekennzeichnet durch Verbote, Polizei- und Zensurmaßnahmen bei gleichzeitiger Verarmung und Gängelung der Bevölkerung, so stehe es, was die veröffentlichte Meinung anbelange, gegenwärtig nicht viel besser, betonte Becker: „Die heutige Meinungsmache, abgesichert durch Medienmacht und Kontrolle des Internets, bedarf vorerst kaum irgendwelcher gesetzgeberischer Bestimmungen und Überwachungsmaßen.“ Eine Vereinheitlichung der Meinungsbildung erfolge über eine historisch nie da gewesene Machtkonzentration weniger Konzerne und Verlagshäuser. Und politisch gesehen lasse sich die neoliberale Hegemonie mit einem Rollback vor einstmalige gesellschaftliche Errungenschaften kennzeichnen.

Um die soziale Lage der unteren Klassen stehe es infolge nicht besser. Wie eine aktuelle Kritik an der abgehobenen Eigensucht der „Volksvertreter“, die zugleich ihr Lied vom fortgesetzten Gürtel-enger-Schnallen in Richtung der verarmten Massen anstimmen, hören sich die Zeilen über den „Schmerbauch“ des damals sehr populären Autors Pierre Jean de Béranger an, die Eckhard Radau zu Gehör brachte: „Ihr bezahlt, scheint’s euch auch teuer, meinen und manch fremden Bauch. Was wir brauchen, das muss sein! Schränkt euch also etwas ein. Die Diners, die Soupers beim Minister ganz famos! Ah! Jede Mahlzeit grandios!“ Ergänzt werden müsse heute der Einfluss der Lobbygruppen.

Becker und Radau zeichneten eindrucksvoll die Fluchtwege Herweghs, Heines und Büchners nach. Herwegh desertierte anonym ins Schweizer Exil und veröffentlichte dort die „Gedichte eines Lebendigen“, die in Deutschland heimlich und in hoher Auflage verkauft wurden – eine paradoxe Wirkung der Restriktionen. Die darin enthaltenen Attacken auf den durch seinen Untertanengeist gekennzeichneten „guten Bürger“ des Biedermeier hätten ihre Wirkung bei den Zeitgenossen nicht verfehlt. In seinem Gedicht „Wohlgeboren“ heißt es etwa: „Jedwedem Umtrieb bleib ich fern, der Henker mag das Volk beglücken! Ein Orden ist ein eigner Stern, wer einen hat, der soll sich bücken.“ Solche Texte hätten „Biedermeierdeutschland zugleich provoziert und aufgerüttelt“.

Der nicht selten patriotische Zungenschlag in den Texten der „Vormärz“-Poeten habe der Forderung nach revolutionärer Überwindung aristokratischer Kleinstaaterei und dem emphatischen Wunsch nach Freiheit Ausdruck geben wollen, betonte Becker. „Die erste Strophe des ‚Liedes der Deutschen‘ von Hoffmann von Fallersleben ist nur in diesem Kontext überhaupt verständlich. Mit einer Vorrangstellung Deutschlands vor anderen Nationen hat sie nichts zu tun.“ Und er stellte klar: „Für rechte Chauvinisten ist der Text unbrauchbar.“

Becker zitierte in diesem Zusammenhang zustimmend die Spitzel der Geheimpolizisten Metternichs über Herwegh. Dieser besinge „nicht etwa bloß eine allgemeine abstrakte Freiheit“, sondern rufe zu „einer sehr konkreten demokratischen Staatsform“ auf. Bei deren Verwirklichung, daran ließen Becker und Radau keinen Zweifel, hätten wir noch eine lange Wegstrecke vor uns. Und ebendieser Umstand begründe die Aktualität der „Vormärz“-Poeten. Der lang anhaltende Applaus für Beckers und Radaus Darbietung schien auch dieser Einschätzung gewidmet zu sein.

 

 
   
Eckhard Radau
und
Rolf Becker

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