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Argumente:
Hoch gelobt und tief verachtet
- aber nah beieinander
von
SPE
Der
eine, Milton Friedman,
Ökonomie-Nobelpreisträger, viel geehrt, hoch gelobt als "Champion
der Freiheit", verstarb am 16. November 2006 im Alter von 94 Jahren. Der
andere, Augusto Pinochet, Militärdiktator, verurteilt und verachtet wegen
unzähliger Menschenrechtsverletzungen, starb am 10. Dezember 2006 mit 91
Jahren.
Unterschiedlicher könnten die gängigen Bilder dieser
Persönlichkeiten, was deren Wirken anbelangt, kaum sein. Doch verbindet die
beiden Karrieren mehr, als die veröffentlichte Meinung hierzulande wahrhaben
möchte. Denn das Militärregime unter Pinochet, das von 1973 - 1990 andauerte,
war wirtschaftspolitisch verbunden mit dem "chilenischen Experiment",
dessen maßgeblicher Promoter der Chicagoer Ökonomieprofessor Milton
Friedman und die aus seiner Schule hervorgegangenen "Chicago Boys" waren.
Das Chile der Pinochet-Ära betrachtete Friedman als neoliberales "Versuchskaninchen".
Die neoliberale Transformation des Wirtschaftslebens galt es später - zunächst
in andere "Schwellenländer" - zu exportieren.
"Kurz
nach dem Staatsstreich gegen die Regierung Allende am 11. September 1973 übernahmen
chilenische Absolventen der Friedman-Schule (bald bekannt unter dem Namen "Chicago
Boys") das Ruder der chilenischen Wirtschaft und führten, mit großem
missionarischem Eifer, ein Wirtschaftstransformationsprogramm durch. [
]
Friedman hat Chile während der Pinochet-Diktatur besucht und die Bemühungen
des Regimes für eine radikale, exportorientierte, freie Marktwirtschaft gewürdigt.
Friedman pries den chilenischen Diktator Augusto Pinochet - weil er sich "aus
Prinzip völliger Marktfreiheit" verpflichtet habe. Friedman hielt Vorträge
über 'Die Fragilität der Freiheit' - im Kontext Chiles dürfte dies
wie purer Hohn geklungen haben. Friedman warf seinen Kritikern vor, ihn wegen
der Menschenrechtsverstöße des chilenischen Regimes am liebsten "teeren
und federn" zu wollen. Und dennoch war er stolz darauf, der doktrinäre
Geist hinter dem "chilenischen Wunder" (Friedman) zu sein." (Walden
Bello*, Das Auge des Hurricanes)
Das Ergebnis der "Strukturanpassungsreformen"
in Chile kann man als soziale Katastrophe bezeichnen:
"Am Ende
der Periode der radikalen 'freien Marktwirtschaft' waren (soziale) Ungleichheit
und Armut signifikant gestiegen. Der Prozentsatz der Familien unterhalb des "Existenzminimums"
stieg zwischen 1980 und 1990 von 12 auf 15 Prozent. Der Prozentsatz derer, die
unterhalb der Armutsgrenze aber noch über dem Existenzminimum lebten, stieg
im selben Zeitraum von 24 auf 26 Prozent. Das heißt, in der Endphase des
Pinochet-Regimes waren rund 40% der chilenischen Bevölkerung - also 5,2 von
13 Millionen Menschen - arm." (ebd.)
Während die westliche
Welt Friedman in der Regel als Bahn brechenden Ökonomen feiert, "dessen
Werk die Wirtschaft und die Welt verändert hat" (so euphorisch in der
New York Times), wird den Leidtragenden der "Reformen" sein Werk in
ganz anderer Erinnerung bleiben. Von dieser Erfahrung wird zu lernen sein. Pinochet
ist bald nur noch Geschichte. Die Zukunft von Friedmans Wirkung hat für uns
gerade erst begonnen.
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*
Walden Bello ist Professor für Soziologie an der University of the
Philippines and leitender Direktor des Instituts 'Focus on the Global South' mit
Sitz in Bangkok. | |