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Argumente:

Wenn die Trommelei plötzlich auf die Nerven geht

von SPE

Vorweg: Ich bin kein Grass-Leser. Während meines x-ten Versuches, die "Blechtrommel" zu Ende zu lesen, wurde im Fernsehen ein Wahlkampfauftritt des Autors für Heide Simonis übertragen, in dem Grass die Hartz-Gesetze rechtfertigte. "Hart aber notwendig" seien Schröders "mutige Reformen" klärte Grass auf. Sehr verhaltener Beifall der bestellten Genossen. Trotzdem gut getrommelt, Günter. Ich beschloss spontan, die "Blechtrommel"-Lektüre erneut abzubrechen, die Trommelei - hier wie dort - ging mir plötzlich auf die Nerven, zumal ich den zunächst interessanten Text gegen Ende zunehmend langweiliger fand.

Die literarische Qualität von Grass' Text will ich aber nicht beurteilen. Etwas anderes sind seine politischen Stellungnahmen und Medien-Interventionen. Da erweist sich Grass meiner Meinung nach als linientreuer SPD-Parteigänger (auch wenn er gelegentlich gern von "kritischer Solidarität" spricht). Grass springt - kaum gerufen - stets für die Partei in die Bütt, egal welchen Kurs diese gerade einschlägt. Sein Austritt aus der SPD 1992 hat daran offenbar nichts geändert. Und die Partei brauchte den nobelpreisschweren Dichterfürsten als ethisches Kontrastprogramm, weil er in Moraldingen als integer galt, was man von Parteipolitikern sicher nicht sagen kann.

Und jetzt das: Grass bricht sein Schweigen, um uns von seiner kurzzeitigen Mitgliedschaft in der Waffen-SS in Form eines "Enthüllungsbuches" ("Beim Häuten der Zwiebel") zu berichten, natürlich begleitet von einer inszenierten Promotion-Tour, wie es sich für einen Medienstar gehört. Im Sensations-Interview in der FAZ vor Erscheinen des Buches erklärt Grass: "Mein Schweigen über all die Jahre zählt zu den Gründen, warum ich dieses Buch geschrieben habe." Wir müssen also Herrn Grass für sein lebenslanges Schweigen eigentlich dankbar sein, denn nur so konnte die Weltliteratur mit einem weiteren Schriftstück angereichert werden. - Doch trotzdem: Ignorant, wie ich sein kann, werde ich diesmal mit der Lektüre gar nicht erst beginnen.

 

 
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