Liebe Freundinnen und Freunde des Linken Forums Paderborn,

unser Vorstandsmitglied Martin Kolek , geehrt auch mit der Arno-Klönne Auszeichnung, ist erneut auf der »Sea-Watch III« im Mittelmeer unterwegs, um Leben zu retten.

Ich leite Euch aus aktuellem Anlass den folgenden Presseartikel im Westfälischen Volksblatt weiter, verbunden mit der Bitte um Spenden unter IBAN DE 15 4306 0967 4107 2246 00 (Kontoinhaber Neuland/Martin Kolek).

Euch grüßt herzlich

Carsten Schmitt

Wicki

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Pressebericht im Westfälischen Volksblatt vom 26. Juni 2018:

Martin Kolek hilft auf der Sea Watch


Seawatch 1 Seawatch 2

Von Meike Oblau

Delbrück(WV). Malta und Italien lassen Boote von Hilfsorganisationen, die Flüchtlinge gerettet haben, nicht mehr in ihre Häfen. Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht, das Thema auf einem Sondergipfel mit anderen Regierungschefs zu diskutieren. Inmitten der brandaktuellen Situation ist auch ein Delbrücker wieder im Mittelmeer im Einsatz: Martin Kolek hilft derzeit wieder auf der Sea Watch.

Bereits im Mai 2016 war der Trauma-Therapeut während seines Jahresurlaubs ehrenamtlich auf der Sea Watch aktiv. Gestern ist der 51-Jährige wieder nach Malta geflogen und wird mit der Sea Watch 3 hinaus aufs Meer fahren – und irgendwie auch hinaus in die Ungewissheit. »Die Crew versorgt die Gäste mit einem Minimum an Möglichkeiten: notfallmedizinische Versorgung, Wundversorgung, Essen und Trinken, psychische Stabilisierung, Menschlichkeit. Wie lange demnächst ein Aufenthalt von Geretteten bei jedem Wetter auf See sein wird, ist ungewiss, mindestens aber sicher zwei Tage und Nächte, wahrscheinlich deutlich länger, weil keine Hafeneinfahrt erlaubt wird, obwohl die Bürgermeister der Hafenstädte Palermo, Reggio Calabria, Messina und Pozallo ausdrücklich ihre Bereitschaft kundgetan haben«, sagte Martin Kolek vor seiner Abreise. »Die letzte Übergabe der Sea Watch 3 in Reggio Calabria fand Anfang des Monats mit 232 Menschen an Bord statt.«

Das Klima in der Gesellschaft werde immer rauer, und manche Politiker seien derzeit eher damit beschäftigt, Flüchtlinge fernzuhalten oder loszuwerden, statt zu helfen oder Fluchtursachen zu bekämpfen, bilanziert der Delbrücker. Bei seinem letzten Einsatz auf der Sea Watch 2016 musste er auch Tote aus dem Wasser bergen, darunter auch einen Säugling. Das Foto von Kolek und der Leiche des Kindes ging um die Welt. Später gelang es dem Delbrücker, immerhin das Grab des Kleinkindes namens Mohammad in Italien ausfindig zu machen.

Das Thema lässt Martin Kolek seitdem nicht mehr ruhen. Er hat ein Buch geschrieben (Titel: »Neuland«) und hält Vorträge – und jetzt wird er wieder direkt auf dem Schiff der Hilfsorganisation Sea Watch aktiv. Diesmal wird er dort die Aufgaben des Koordinators übernehmen, wird Schiffbrüchige mit dem Nötigsten versorgen und hoffen, dass die Sea Watch in irgendeinen Hafen einlaufen darf. Die Sorge indes ist groß, dass der neue, harte Kurs des italienischen Innenministeriums auch die Sea Watch 3 am Einlaufen in die Häfen Süditaliens hindern wird. Genau mit diesem Problem hat aktuell ein anderes Schiff, die Lifeline, zu kämpfen, ebenfalls das Boot einer deutschen Hilfsorganisation, das nach eigenen Angaben mehr als 220 Flüchtlinge an Bord hat, die in internationalen Gewässern gerettet worden seien. Weder Italien noch Malta wollen diese Flüchtlinge aufnehmen. Vor zwei Wochen hatte die italienische Regierung außerdem der Aquarius der Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen die Einfahrt in einen Hafen verwehrt. Auch Malta verweigerte die Aufnahme, weshalb die Aquarius weiter ins spanische Valencia fahren musste.

Ähnliche Probleme könnten nun auch der Sea Watch 3 mit Martin Kolek und seinen Mitstreitern an Bord drohen. Bis zum 18. Juli wird der Delbrücker auf dem Schiff helfen. Was genau auf ihn zukommen wird, das weiß er wie auch vor seinem ersten Einsatz vor zwei Jahren nicht. »Politiker scheinen von diesem Drama merkwürdig unberührt«, übt Kolek wie viele andere Helfer auch deutliche Kritik. »Nach internationalem Seerecht und Menschenrecht helfen wir allen Menschen in Seenot, egal welcher Nationalität, Geschlecht, politischen Gesinnung die Menschen sind«, betont er. Die Sea Watch 3 könne im kritischsten Fall bis zu 500 Menschen aufnehmen.

Martin Kolek packt nicht nur selbst mit an, er bittet auch um Spenden, nicht nur für Sea Watch, sondern auch für die Idee, den Friedhof in der Reggio Calabria, auf dem Mohammad, dessen Leiche er 2016 bergen musste, begraben liegt, zu einer Mahnstätte auszubauen. Wer Martin Kolek unterstützen möchte, kann spenden auf das Konto mit der IBAN DE 15 4306 0967 4107 2246 00 (Kontoinhaber Neuland/Martin Kolek) bei der GLS.