Züruck zur Startseite
 
Seite drucken
 
 
 

Glosse vom 14. Dezember 2010:

Provinziell inszeniert:
Die zu Guttenbergs im Feldlager

Von M.W.

Deutschlands demoskopischer Politspitzenmann wieder einmal dort, wo die Bundesrepublik verteidigt wird, diesmal mit Gattin – die Oppositionsparteien und viele Kommentatoren kritisieren den Auftritt, das sei „mehr Pop als ministerielle Profession“. Der Vorwurf geht daneben. Erstens handelt es sich ja nicht um eine militärpolitische Aktion, sondern um eine Sat 1-Show in Außenaufnahme, und welchen Unterhaltungswert hätte da ein Minister ohne weibliche Begleitung? „Eine Sache des Herzens“ werde mit der Visite am Hindukusch besorgt, bemerkte richtig Freifrau zu Guttenberg. Zweitens ist die Inszenierung der Kulturgattung „Pop“ keineswegs zuzuordnen, sondern dem Genre „Stadl“. Dafür bürgt schon der Moderator Johannes B. Kerner. Stephanie z.G. tritt nach eigener Aussage „als Frau, Ehefrau und Mutter“ auf, feingekleidet zwar, nicht im Dirndl, sondern in Daunenjacke mit Fellkragen, Winterboots und grauen Jeans, zeitweise ergänzt durch eine Splitterschutzweste. Aber was soll daran poppig sein? Dieser Stil würde anderes verlangen.

Etwa so hätte sich der Truppenbesuch aufführen lassen: Der Freiherr geht mit dem Degen auf eine Taliban-Horde los, die Freifrau entledigt sich einer Burka, Karsai blättert Dollarscheine nach und im Hintergrund singt Sarrazin von einem Minarett aus sein Deutschland-schafft-sich-ab-Lied. Bundeswehrsoldaten dann als Staffage, mit Andachtsbildchen vom Friedensnobelpreisträger Obama in der Hand, vielleicht ein Feldlazarett, wie es Freifrau zu Guttenberg jetzt besuchte, visualisiert im Hintergrund.

Gesammelte Glossen 2006-2008

 

 
 

Provinziell
inszeniert:
Die zu Guttenbergs
im Feldlager


Von M.W.

 
 
Übersicht ...
 
© 2006 by Linkes Forum Paderborn | Design & Redaktion: oneline-design.de | >> Kontakt / Impressum

E-Mail