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Glosse vom 15. August 2010:

Auftritt der Milliardäre:
Spendabel statt steuerpflichtig?

Von AKL

Nur ein Gag des derzeit modischen Medienphilosophen – vermuteten Kritiker, als Peter Sloterdijk die Ablösung des Steuerstaates durch die Spender-Gesellschaft proklamierte. Aber siehe da, dieser Einfall erwies sich als durchaus politiknah: Bill Gates und Warren Buffet, zwei Spitzenleute in der internationalen Vermögenshierarchie, riefen das Zeitalter der privaten Wohltätigkeit aus. „So sanieren Milliardäre die Welt“, titelte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, und Claudia Roth hat nun neue „Vorbilder“. Der Auftritt von „Big Spendern“ und der Beifall, den sie fanden, kommt aufmerksamkeitsstrategisch gerade passend, um Forderungen nach höheren Vermögenssteuern, die nach den kostspieligen Rettungsschirmen für die Finanzwelt nahe liegen, zu übertönen und abzublocken. Wenn die Superreichen freiwillig ihr Geld dem Gemeinwohl opfern – weshalb sollen dann noch Finanzämter tätig werden? Philanthropen muß man doch nicht mit nörgelnden Fragen belästigen, etwa diesen: Welchen Anteil denn Lohndrückerei und Preistreiberei an ihrer Vermögensbildung haben? Wer die Verlierer bei ihren Finanzspekulationen waren und sind? Welche Kosten privater Kapitalvermehrung sie dem Staat aufgebürdet, also „sozialisiert“ haben? Wie hoch die steuerlichen Vorteile ihrer Spendabilität liegen, wie viel an Steuern so den öffentlichen Haushalten entgeht? Und was „Gemeinnützigkeit“ bedeutet, wenn Milliardäre eigenmächtig entscheiden, wem die Spenden zufließen?

Ein neues Gesellschaftsmodell: Milliardäre und Millionäre werden nicht mehr zur Steuerkasse gebeten, damit sie als Wohltäter aktiv werden können; wofür sie spenden wollen, werden sie selbst am besten wissen. Spendenempfänger haben sich dankbar zu zeigen. Ganz kann der Steuerstaat nicht verschwinden, denn auch die Großvermögenden brauchen den Schutz der Polizei, manchmal auch den Einsatz des Militärs, außerdem den Bau von Straßen etc., gelegentlich auch staatliche Rettungsschirme. Damit dies finanziert werden kann, werden weiterhin die zahlreichen Kleinverdiener besteuert, ebenso die Massen von Konsumenten. Das Volk hat dafür zu sorgen, daß es den Milliardären und Millionären gut geht, sonst könnte es ja Schluß sein mit ihrer Spendabilität.

Gesammelte Glossen 2006-2008

 

 
 

Auftritt der Milliardäre: Spendabel statt steuerpflichtig?

Von AKL

 
 
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