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Glosse
vom 13. Juli 2010:
Verrückter Gottesbeweis?
Von
Max Holzmüller
Was
Anselm von Canterbury (1033-1109) oder Thomas von Aquin (1225-1274)
trotz großer gedanklicher Anstrengung nicht gelungen
ist, will jetzt der Kölner Bischof Josef Kardinal Meisner
geliefert haben: Den Beweis für die Existenz Gottes.
Im Interview mit der „WELT“ sagte Meisner: „Bei
einem Zölibatär muss man immer sagen: Entweder ist
der verrückt, oder es gibt Gott. (…) Überzeugend
gelebt ist der Zölibat immer noch der schlagendste Gottesbeweis.“
Wir
schließen:
(A) Wer ehelos lebt, wird ohne göttlichen Beistand verrückt.
(B) Kardinal Meisner lebt überzeugend ehelos und ist
nicht verrückt.
(C) Es gibt Gott.
Ein
Problem ergibt sich nun bei dem Wörtchen „überzeugend“
in (B). Denn nicht wenige Zeitgenossen halten die Lebensweise
des Kardinals, die ihren Ausdruck in wiederkehrenden irrwitzigen
Auslassungen findet, für alles andere als überzeugend;
manche würden sogar (z.B. bei Meisner-Äußerungen
zu den Themen Schwangerschaft, Homosexualität, Andersgläubige
oder „entartete“ Kultur) von Verrücktheiten
sprechen. Wenn letztere sich beim Kardinal aber ausmachen
ließen, könnte man daraus zweierlei schließen:
Entweder ist im Falle des Kardinals der göttliche Beistand
(A) ausgeblieben oder - es gibt gar keinen Gott (C).
Wie
auch immer, um die Frage nach der Existenz oder Nichtexistenz
Gottes überzeugend zu beantworten, wird es auch nach
Kardinal Meisner weiterer gedanklicher Anstrengungen bedürfen.


Gesammelte
Glossen 2006-2008
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