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Glosse vom 28. Februar 2010:

Ihre Namen sollen nicht genannt werden

Von Urs Umtriebig

Würde man die Geschichte gegen den Strich bürsten, kämen die Namen ungezählter Kriegsopfer inmitten der Trümmer zum Vorschein, in ihrer großen Mehrzahl Zivilisten. Herrschende jeder Couleur fürchten solches Benennen sinnlos Getöteter, könnte sich doch das gemeine Volk mit ihnen identifizieren und zu der Auffassung gelangen: Nie wieder Krieg!

Für einen Eklat im Bundestag sorgten jetzt Abgeordnete der Linkspartei. Sie hielten im Vorfeld der Abstimmung über die zusätzliche Entsendung von mehr als 800 Soldaten nach Afghanistan Plakate mit den Namen getöteter Zivilisten beim Bombardement von zwei Tanklastern im September 2009 in die Höhe. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) schloss daraufhin die Linksparteiler von der Sitzung aus, wegen „Missachtung der Geschäftsordnung“. (Demonstrieren ziemt sich für Volksvertreter nicht). An der anschließenden Abstimmung durften die Links-Abgeordneten aber wieder teilnehmen, vielleicht aus der Überlegung heraus, dass eine fast 100-prozentige Zustimmung zur Militäraufstockung (bei Enthaltung der Grünen) unangenehm an wenig demokratische Zeiten erinnert hätte – das wäre medial bestimmt schlecht `rüber gekommen.

SPD-Chef Sigmar Gabriel begrüßte den Ausschluss der Linksfraktionäre, deren Aktion als „Klamauk“ bezeichnend. – Handelte es sich bei der ganzen Angelegenheit um eine derbe Scherzaffäre? Die Angehörigen der Getöteten werden das anders sehen. Doch deren Gefühle spielen in der Kriegsgeschichte, an der die SPD geübt ist fleißig mitzuschreiben, keine Rolle.

Gesammelte Glossen 2006-2008

 

 
 

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