Züruck zur Startseite
 
Seite drucken
 
 
 

Veranstaltung des Linken Forums Paderborn,

Von Heuschrecken und Karawanen
Der Kapitalismus - genauer betrachtet
 



Vortrag und Diskussion mit:
Prof. Dr. Georg Fülberth, Marburg

Dienstag, 15. April 2008
20:00 Uhr

Kulturwerkstatt, Cafeteria,
Bahnhofstr. 64 in Paderborn


Abb.: Martina Schu, Moderatorin, Prof. Dr. Georg Fülberth, (v.l.)
 
Download Einladung (PDF)

Zum Thema:


Anders als noch vor ein paar Jahren wird das Gesellschaftssystem, in dem wir leben, heutzutage beim richtigen Namen genannt: Kapitalismus.

Aber was ist das? Der Hinweis auf "Heuschrecken" hilft nicht so recht weiter, und in den Fernsehrunden wird dazu eher Nebel gestreut. Über Entwicklung, Gegenwart und weitere Perspektiven der kapitalistischen Gesellschaft, auch über Gegenbewegungen diskutiert Prof. Dr. Georg Fülberth beim Linken Forum.



Georg Fülberth:

Georg Fülberth, Dr. phil, Professor für Politikwissenschaft (Marburg), Beiträge in "Freitag", "konkret", "junge Welt"; Publikation zum Thema: "G-Strich - Kleine Geschichte des Kapitalismus (Papyrossa Verlag, Köln). Die FAZ, mit dem Autor politisch keineswegs einen Sinnes, bezeichnete das Buch als "gewaltige Wohltat".



Presseecho:

vom 19.04.2008:

Wie Kapitalismus funktioniert

Georg Fülberth beim Linken Forum Paderborn

(lifo) "Marktwirtschaft" war gestern. Die herrschende Produktions- und Lebensweise wird heute wieder beim Namen genannt: Kapitalismus. - Doch was ist das eigentlich? Nach dem Erklärungsversuch des Marburger Politikwissenschaftlers Georg Fülberth beim Linken Forum Paderborn ist man geneigt, an ein Shakespeare'sches Theaterstück oder an Zauberei zu denken. Denn in der kapitalistischen Produktion vollziehen sich, so Fülberth, vielfältige "Verwandlungen", abstrakt ausgedrückt: Geld verwandelt sich in Ware, die in neue Ware verwandelt wird, um sich wiederum in - vermehrtes - Geld zu verwandeln. Die Aufhäufung (Akkumulation) von Gewinn treibe den hoch dynamischen Prozess an, dem schon Karl Marx ersatzreligiöse Züge abmerken konnte: "Akkumuliert, Akkumuliert! Das ist Moses und die Propheten."

Wie realisiert sich kapitalistischer Gewinn aber im einzelnen? Das ist für Fülberth eine alles andere als banale Frage. Fülberth hat die verschiedenen Entwicklungsphasen dieses Wirtschaftssystems vom frühneuzeitlichen Handelskapitalismus bis zum heutigen Neoliberalismus durchkämmt (seinen Analyseansatz nennt er "Kapitalistik") und ist zu dem Ergebnis gelangt, dass die Erzeugung von "Mehrwert", also die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft durch Mehrarbeit, einen zwar wichtigen, aber nicht den einzigen Typ der Gewinnerzielung darstellt. Daneben gebe es etwa unternehmerische Innovationsgewinne, die Gewinnsteuerung über Angebot und Nachfrage oder Profite, die durch die marktbeherrschende Stellung eines Unternehmens erzielt würden - von letzterem können die Paderborner E.ON-Kunden ein Klagelied singen.

Fülberth traf in seinem Referat die wichtige Unterscheidung zwischen kapitalistischer Gesellschaftsform einerseits und Produktionsweise andererseits. Letztere, sagt Fülberth, tendiere im Neoliberalismus dazu, alle Lebensbereiche - inklusive der Natur - gleichsam in einem "Kristall" einzuschmelzen, zu dem es kein "Außen" mehr zu geben scheint. - Wie sieht unter solcher Optik die Zukunft des Kapitalismus aus? Fülberth vermutete: "Nehmen wir einmal an, der Kapitalismus sei nicht mehr und nicht weniger dauerhaft als der Feudalismus. Dann hätte er noch ungefähr fünfhundert Jahre vor sich". Bis dahin verbliebe einer kritischen Opposition jedoch die wichtige Aufgabe, dafür zu kämpfen, die kapitalistische Eigendynamik so sozial und human wie möglich zu zügeln. Der schwedische "Dritte Weg" etwa, meint Fülberth, gebe ein bedenkenswertes Modell für bändigende Politik ab.

Angesichts des global entfesselten Kapitalismus, so wurde aus mehreren Diskussionsbeiträgen im Linken Forum deutlich, hegen viele jedoch an einem solchen Zähmungskonzept ihre begründeten Zweifel.
 

 
  Von Heuschrecken und Karawanen
Der Kapitalismus - genauer betrachtet

 
 
 
  Vortrag und Diskussion mit:
Prof. Dr. Georg Fülberth, Marburg
 
Zurück
 
© 2006 by Linkes Forum Paderborn | Design & Redaktion: oneline-design.de | >> Kontakt / Impressum


E-Mail