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Frühschoppen vom Sonntag, 12. November 2006

In den letzten Zügen Höchste
Eisenbahn - Stoppt die Börsenbahn!

um
11.15 Uhr Bahnhofsgaststätte Klüter, Altenbeken, Gleis 21
im
Podium: Dr. Winfried Wolf*, Bündnis "Bahn für
Alle" Dieter Bursch, WASG Klaus Koch, Gewerkschaft TRANSNET Dr.
Ulrich Gausmann, Moderation

 Übrigens:
Altenbeken ist (noch?) mit der Bahn erreichbar. Zum Frühschoppen: Abfahrt
um 10.53 Uhr ab Paderborn Hbf.

 Die
Große Koalition will die Bahn privatisieren und das Bundeseigentum an der
Deutschen Bahn AG an private "Investoren" - auch Heuschrecken genannt
- verkaufen. Es würde sich um die größte und folgenschwerste Privatisierung
in der deutschen Geschichte handeln - eine Verschleuderung gesellschaftlichen
Vermögens und eine kulturelle Enteignung, mit der 170 Jahre Aufbauleistung
gefährdet werden. 35.000 km Gleise und Trassen, 5500 Bahnhöfe, eine
Flotte mit 220 ICE-Garnituren, 5000 Lokomotiven, 11.000 Triebwagen, 10.000 Reisezugwagen
und 160.000 Waggons sollen unter den Hammer kommen. Der Bund würde einmalig
lächerliche fünf bis zehn Milliarden Euro kassieren, private Investoren
könnten in kurzer Zeit Dutzende Milliarden Euro Gewinne einstreichen. Gleichzeitig
soll parallel mit der Privatisierung gesetzlich vereinbart werden, dass in die
Schiene jährlich weiter bis zu 12 Milliarden Euro fließen. Diese Steuergelder
würden dann überwiegend privaten Investoren zu gute kommen.
Winfried
Wolf, Autor des Buchs "In den letzten Zügen", argumentiert, dass
vom Interesse der BürgerInnen her nichts für einen "Börsengang
der Bahn" spricht. Dass jedoch die Beispiele privatisierter Bahnen im Ausland
- und die Erfahrungen mit den Privatisierungen von Wohnungen und der Versorgung
mit Energie und Wasser - gegen die Privatisierung sprechen. Vor allem, so der
Autor und Referent unserer Veranstaltung, gibt es eine Alternative: eine optimierte
Bahn in öffentlichem Eigentum, wie es uns die Schweizerischen Bundesbahnen
(SBB) einigermaßen vorbildlich demonstrieren.

 *
Winfried Wolf ist Verfasser des neuen Buchs "In den letzten Zügen
- Zur Kritik der Bahnprivatisierung; 2006; VSA-Verlag Hamburg. Er ist Autor des
Standardwerks "Eisenbahn und Autowahn". Wolf ist Sprecher der Bahnfachleutegruppe
"Bürgerbahn statt Börsenbahn" und aktiv im Bündnis "Bahn
für Alle", zu dem seit Mai 2006 attac, BUND, Robin Wood, Naturfreunde,
UMKEHR eV, Bürgerbahn statt Börsenbahn und "Bahn von unten"
in Transnet zusammenfanden.

 Presseecho:
Pressebericht in der Neuen Westfälischen vom 20.11.2006:
Zur
Bahn gehört auch soziale Infrastruktur
Diskussion
zur Privatisierung der Bahn
Altenbeken.
Öffentliche Diskussion am Tatort: Auf Einladung des Linken Forums,
der Wahlalternative Soziale gerechtigkeit und der Demokratischen Initiative Paderborn
referierte der Verkehrsexperte Dr. Winfried Wolf zur geplanten Bahnprivatisierung
in der Altenbekener Bahnhofsgaststätte Klüter.
Der
Verkehrswissenschaftler Wolf, der auch Sprecher der Initiative Bahn für
alle ist, wusste in seinem informationsreichen Vortrag nichts Gutes von
dem von der Großen Koalition geplanten Börsengang der Deutschen Bahn
AG zu berichten, dem größten Privatisierungsvorhaben in der Geschichte
der Bundesrepublik.
Wolf
sieht nach einer Trennung des Schienennetzes und des Zugbetriebs die Standards
von Service und Sicherheit in Gefahr. Da private Investoren mit mindestens
zehn Prozent Rendite kalkulierten, eine Erweiterung des Schienenverkehrs aber
nicht zu erwarten sei, müsse mit Fahrpreiserhöhungen und geringerem
Service durch Personaleinsparungen gerechnet werden. Niedrigere Arbeitseinkommen
der Beschäftigten seien mit Sicherheit zu erwarten. Die Gewinnerwartungen
privater Firmen würden eine Konzentration auf gewinnbringende Bahnstrecken
bewirken, weniger rentable Strecken würden in der Konsequenz nicht mehr betrieben.
Die
Befürworter einer Teilprivatisierung der Bahn, wie etwa die hiesigen Bundesabgeordneten
Ute Berg (SPD) und Gerhard Wächter (CDU), führen an, dass ein fairer
Wettbewerb auf der Schiene entstehen würde. Entgegen dieser Auffassung
betonte Winfried Wolf, dass die enge Verzahnung des Rad-Schiene-Systems keine
nennenswerte Konkurrenz unter den privaten Betreibern entstehen lasse. In der
Regel erhielten private Betreiber Konzessionen für ein bestimmtes Netz, eine
Strecke und einen festgelegten Zeitraum. Folge sei die Bildung von sogenannten
regionalen Monopolen.
Der
heimische Soziologe Arno Klönne verwies in der sich anschließenden
Diskussion darauf, dass zur Bahn untrennbar auch eine soziale Infrastruktur
gehöre. Bahnhöfe etwa sind Orte von Geselligkeit und Kommunikation.
©
2006 Neue Westfälische Paderborner Kreiszeitung, Montag 20. November 2006

 Bahn:
Richtige Weichenstellung?
Leserbrief
von Dr. Arno Klönne (15.11.2006)
Die
hiesigen Bundestagsabgeordneten Ute Berg und Gerhard Wächter erklären
die großkoalitionären Absprachen zur Bahn-"Reform" zu einer
"wichtigen und richtigen Weichenstellung". "Wichtig" - ganz
sicher, aber "richtig"? Auch Abgeordnete von Regierungsparteien sollten
die Möglichkeit ins Auge fassen, dass Ministerien und Fraktionsführungen
politische Weichen falsch stellen.
Die jetzt verabredete "Teilprivatisierung"
der Bahn macht die Strecke frei für das Ziel einer späteren Vollübernahme
des Bahnbetriebs durch profitsuchendes privates Kapital, das den Regeln des Finanzmarktes
folgt: Gewinnsteigerung, auch wenn die Interessen der nicht so betuchten Masse
der Verkehrsteilnehmer in der "Provinz" dabei auf's Abstellgleis geraten.
Außerdem sind Filetstücke und Filialbetriebe aus dem Bahnvermögen
dabei zum Schnäppchenpreis zu übernehmen. Das nicht privatisierte Schienennetz
mitsamt Großbahnhöfen darf dann der Steuerzahler finanzieren, eine
massive Subventionierung privatunternehmerischer Geschäfte. Der viel gelobte
Vertrag zur Beschäftigungssicherung der Eisenbahner wird damit brüchig
und läuft in einigen Jahren ohnehin aus.
Welchen Schaden eine Bahnprivatisierung
für die Mehrheit der Schienenverkehrsteilnehmer (und für die Staatskasse)
bedeutet, lässt sich am britischen Beispiel erkennen.
Übrigens:
Laut Umfragen halten die meisten Bürgerinnen und Bürger in der Bundesrepublik
eine Privatisierung der Bahn für die falsche Weichenstellung. | |