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 Veranstaltung am Mittwoch, 20. September 2006:

Gewinner der sozialen Polarisierung
Wie man in Deutschland reich wird


Vortrag und Diskussion mit:
Prof. Dr. Ernst-Ulrich Huster*, Bochum

Kulturwerkstatt, Cafeteria
Bahnhofstr. 64 in Paderborn

Moderation:
Kornelia Welz, Sozialausschussvorsitzende



Über Reichtum referierte Prof. Dr. Ernst-Ulrich Huster (Bochum) beim Linken Forum Paderborn. Moderatorin Kornelia Welz (Vorsitzende des Paderborner Sozialausschusses) leitete durch den Abend.


Presseecho:

Wohlstand - Leitbild und Leidbild

Reichtumsforschung als Thema des Linken Forums

(cs) Kein Rezept zum Reichwerden lieferte Prof. Dr. Ernst-Ulrich Huster bei der Informations- und Diskussionsveranstaltung des Linken Forums zum Thema "Gewinner der sozialen Polarisierung - Wie man in Deutschland reich wird". Das hatten die Besucher, darunter eine Schulklasse eines Paderborner Gymnasiums, wohl auch nicht erwartet. Moderatorin Kornelia Welz, Vorsitzende des Paderborner Sozialausschusses, fasste die Zielrichtung der Veranstaltung denn auch mit den Worten zusammen: "Wenn man über Armut spricht, muss man auch über Reichtum sprechen." Und fügte erläuternd ein Zitat Arno Klönnes an: "Die Reichen werden immer reicher und die Armen werden immer zahlreicher."

Dem konnte Prof. Huster, Politikwissenschaftler an der Evangelischen Fachhochschule Bochum und Mitverfasser des ersten bundesweiten Reichtums- und Armutsberichts, beipflichten und belegte die grundlegende Diagnose anhand umfangreicher empirischer Belege. "Armut und Reichtum beziehen sich relativ aufeinander", so Huster. Gemeinsame Bezugsgröße sei das Durchschnittseinkommen pro Kopf. Während Reichtum sich definieren lasse durch ein Einkommen, dass um 200 Prozent über diesem Wert liege, bezeichne Armut verfügbare Mittel unterhalb von 50 Prozent des Durchschnitts. Auf die Gesamtgesellschaft projiziert ergebe sich eine Verteilung, bei der die oberen 10 Prozent der Wohlhabenden über 50 Prozent des Gesamtvermögens verfügten, während sich die verbleibende Hälfte des Vermögens auf 90 Prozent der Bevölkerung aufteile - mit steigender Tendenz der gesellschaftlichen Polarisierung. Bei dem genannten Zahlenverhältnis verwies Huster jedoch sogleich auf die grundsätzliche Schwierigkeit, dass über die Vermögensverhältnisse der Reichen so gut wie keine Quellen vorlägen. "Reichtum ist ein scheues Wild, Steinreiche sind auf Diskretion bedacht", fasste Huster diesen Umstand zusammen.

Letzteres hat seine guten Gründe. Denn Reichtum löst in unserer auf Konkurrenz basierenden Gesellschaft die größten Begehrlichkeiten aus. "Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm" zitierte Huster aus Bertolt Brechts "Dreigroschenoper". Jedoch bleibe Wohlstand für die meisten Menschen ein Wunschtraum. "Reichtum ist Leitbild und Leidbild zugleich", so Huster. Jenseits aller Neidvorstellungen hob Huster aber auch positive Funktionen von Reichtum hervor: Das investierende Kapital von Vermögenden ermögliche unternehmerische Dynamik und in Folge gesellschaftliche Innovation, das Mäzenatentum unterstütze Kultur- oder Stiftungsprojekte, schließlich käme dem Lebensstil Vermögender eine Trendsetter-Rolle bei innovativen Produkten zu.

Gerade zu dieser Einschätzung schloss sich im Publikum eine kontroverse Diskussion an. Bei der Kennzeichnung des investierenden Kapitals lautete der Einwand, dass die großen unternehmerischen Vermögen im Zeitalter globalisierter Finanzmärkte ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zunehmend weniger gerecht würden.
 

 
 Gewinner der sozialen Polarisierung
Wie man in Deutschland reich wird

 
  
 Diskussion mit Prof. Dr. Ernst-Ulrich Huster, Bochum 
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