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Veranstaltungen des Sozialen Bündnisses Paderborn

"Arm durch Arbeit": Hinsehen und verändern!
 

Dienstag, 20. April 2010 - 20:00 Uhr
"Leiharbeit: Arm durch Arbeit"

Lesung und Diskussion mit
Markus Breitscheidel

Kulturwerkstatt, Cafeteria

Mittwoch, 05. Mai 2010
- 20:00 Uhr
"Ausgegrenzt und vertafelt"

Diskussion mit Daniel Kreutz

Welcome Hotel, Fürstenweg 13
 

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Die Referenten:

Markus Breitscheidel arbeitet als investigativer Journalist, der in seinem Buch “Arm durch Arbeit” über die Bedingungen berichtet, unter denen von Arbeitslosengeld II abhängige Leiharbeiter arbeiten müssen. In einem Selbstversuch und durch persönliche Begegnungen mit Betroffenen überprüft er, welche Wirkungen die neue Wirtschaftspolitik und Sozialgesetzgebung im Sinne der Agenda 2010 einige Jahre nach ihrem Inkrafttreten entfaltet haben.

Daniel Kreutz arbeitet als Referent für Sozialpolitik beim Sozialverband Deutschland. Er gehörte dem Landtag NRW von 1990-2000 an. Seit 1998 ist Kreutz Mitglied des "Netzwerks für eine demokratische Kontrolle der Finanzmärkte", danach wurde er Mitglied von attac Deutschland.

Veranstalter:

ver.di, Bezirk Bielefeld-Paderborn

Soziales Bündnis Paderborn
(DGB, Demokratische Initiative Paderborn, Arbeitslosenzentrum Paderborn und Linkes Forum Paderborn)



Presseecho:

Neue Westfälische vom 22.04.2010


Bettler statt Kunde

Breitscheidel über seine Erfahrungen mit Leiharbeit

VON BIRGER BERBÜSSE

Paderborn. Kein Selbstwertgefühl mehr, kaum Selbstvertrauen: Markus Breitscheidel weiß ganz genau, was Hartz-IV und Leiharbeit in einem Menschen anrichten. 13 Monate hat der investigative Journalist als Leiharbeiter gelebt und gearbeitet. Herausgekommen ist dabei sein Buch „Arm durch Arbeit“, aus dem er am Dienstag im Cafe der Kulturwerkstatt las. Doch von Werbung für sein Buch war nichts zu hören. Stattdessen bekamen die lediglich zwanzig Zuhörer erschreckende Schilderungen und deutliche Forderungen präsentiert. Breitscheidel erzählt den höchst interessierten Gästen, dass er sich 2008 in Gelsenkirchen-Mitte arbeitslos gemeldet hat, „einem Stadtteil mit 51 Prozent Arbeitslosenanteil“. Die erste Frage seines Fallmanagers nach langem Anstehen in der Schlange vor der Arbeitsagentur: „Was haben Sie denn für Rücklagen?“ Denn, so lacht der Autor gequält, um in den „Genuss von Hartz-IV“ zu kommen, nehme einem der Staat erst mal alle eigenen Sicherheiten weg. Verächtlich äußert er sich darüber, dass Arbeitslose bei der Agentur als Kunden bezeichnet würden: Vom Sprichwort „Der Kunde ist König“ sei man dort meilenweit entfernt. „Ich fühlte mich bei jedem Besuch immer mehr wie ein Bettler“, erinnert sich Breitscheidel betroffen.



Erschreckender Erfahrungsbericht als Leiharbeiter: Markus Breitscheidel referierte und dikutierte beim Sozialen Bündnis Paderborn, rechts: Moderatorin Martina Schu (ver.di Bielefeld/Paderborn)
- Foto: cs


Er berichtet von der schieren Unmöglichkeit, mit den dafür vorgesehen 132,17 Euro Lebensmittel für einen ganzen Monat einzukaufen und wie er sich mit dem Sammeln von Pfandflaschen dazuverdienen wollte: „Doch die Reviere in der Stadt sind alle abgesteckt!“ Am irrsinigsten jedoch sind seine Erfahrungen als Leiharbeiter. Eindringlich schildert der Journalist die oft menschenunwürdigen Umstände, unter denen die Männer und Frauen von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz gereicht würden. Nur, um nach einem Monat mit 200 Stunden als Erdbeerpflücker trotzdem noch Sozialleistungen vom Staat zu benötigen: 525 Euro Bruttobezahlung als blanker Hohn. Ähnlich erschreckend waren seine Erfahrungen im Opelwerk oder bei Bayer, wo er für ein Drittel des Normallohns malochen musste. Breitscheidels Forderung ist daher nur folgerichtig: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit und höhere Regelsätze“, sonst käme schon sehr bald die Quittung. Das Publikum quittiert es mit lautem Applaus. Und die Organisatorin des Auftritts, Martina Schu von verdi, verweist zum Schluss darauf, dass es in Paderborn überdurchschnittlich viele „Aufstocker“ gebe: „Arm durch Arbeit“ gibt es eben nicht nur im Buch, sondern auch ganz konkret direkt vor unserer Haustür.


© 2010 Neue Westfälische, Donnerstag 22. April 2010

 

 
 

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