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Wo bleibt die Friedensbewegung?

Nachösterliche Erinnerungen

Von Arno Klönne

Nicht ohne Häme berichteten jetzt viele Zeitungen, großen Zulauf hätten die diesjährigen Ostermärsche nicht gehabt, ausgenommen die Protestaktion gegen das "Bombodrom", den Schießplatz in Brandenburg, auf der Kyritz-Ruppiner Heide. Überhaupt - von einer Friedensbewegung ist gegenwärtig hierzulande nicht viel zu spüren, obwohl der Rüstungswahn weltweit und auch in der EU weitergeht und die USA mit dem nächsten Militärschlag drohen, diesmal gegen den Iran.

Wie war das damals - als die Ostermärsche Anfang der 1960er Jahre in Gang kamen, die herrschende Politik vor ihnen warnte, die Massenmedien über die Aktionen der Rüstungsgegner zunächst garnicht berichten wollten? Und dennoch aus einer kleinen Kampagne für Abrüstung eine Massenbewegung wurde, mit Hunderttausenden von Teilnehmern in den 1980er Jahren?



Flugblatt zum Ostermarsch 1986 in Paderborn


Stellvertretend für viele andere sei hier eine politische Gefährtin aus OWL in Erinnerung gebracht, die Bielefelderin Käthe Struck (geboren 1922, gestorben 2004). Sie kam aus einer Generation, die hautnah erlebt hatte, was Krieg bedeutet. Sie wollte, daß sich solche Brutalitäten nicht wiederholen - nicht hier und nicht irgendwo draußen in der Welt. Und deshalb wurde sie politisch aktiv, bei den Jungsozialisten und dann in der SPD (mit der sie Konflikt geriet), in der Gewerkschaft, für die "Büchergilde Gutenberg" - und eben in der Friedensbewegung, bei den Ostermärschen. "Jeder von uns leidet unter dem Gespenst der Gleichgültigkeit und beklagt sich hin und wieder darüber. Was liegt dann eigentlich näher, als die Gleichgültigkeit aus unserer Mitte zu vertreiben" - schrieb Käthe Struck im Kultur- und Wirtschaftsblatt "Bielefelder Spiegel". Für diese Zeitschrift verfaßte sie 1964 auch eine Skizze zum Ostermarsch, darin hieß es: "Ganze Familien machen sich Ostern auf den Marsch und demonstrieren gegen die Atombombe. Der Kreis wird immer größer, bunt gemischt und in schöner Harmonie. Der Künstler neben dem Arbeiter, erfreulich viel Jugend, der katholische Geistliche neben dem evangelischen Pfarrer... Die jungen Mädchen und Burschen haben ihre Musikinstrumente gestimmt und üben Lieder ein, eine fröhliche Aufforderung - hier marschieren wir friedlich. Gegen die Bombe, für das Leben." Der erwähnte "Bielefelder Spiegel" brachte diesen Text seiner Mitarbeiterin Käthe Struck nicht, sie sei zu stark "ins Politisieren gekommen" und man müsse Rücksicht nehmen auf die mitherausgebenden (gutbürgerlichen) Vereine - schrieb ihr der Redakteur. Aber durch solche Blockierungen ließ sich die Autorin nicht irritieren, und die Ostermarschbewegung insgesamt auch nicht. Beharrlich und zuversichtlich wurde weiter für die Abrüstung geworben, die Opposition gegen den Militarismus ausgeweitet - ohne Scheuklappen, was politische Herkünfte und Gruppenzugehörigkeit angehört, ohne Unterwürfigkeit gegenüber der Profipolitik. Jemand wie Käthe Struck hat keine Rücksicht genommen auf mögliche Parteikarrieren oder - Ämter (an Fähigkeiten dafür fehlte es ihr nicht), und es gab viele, die sich so verhielten wie sie; deshalb ist damals aus der Friedensbewegung etwas geworden.

Das ist lange her, und manche Umstände sind heute anders, aber man kann aus der Erinnerung lernen: Opposititionelle Bewegungen können nicht "von oben her" gemacht werden - sie brauchen viele Menschen, die couragiert ihre Sache selbst in die Hand nehmen. Auch der Protest gegen die Rüstungspolitik kann wieder an Kraft gewinnen.

 

 
 "Wo bleibt die Friedens-
bewegung?"
vom 18.04.2006
 
  
 Arno Klönne  
 
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