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"Verfassungsschutz", verlegt bei Schöningh:
Wie Geschichte verfälscht wird
 
Von Arno Klönne

Der in Paderborn ansässige Verlag Schöningh bringt Bücher zu Geschichte und Politik heraus, für die Schule und für ein wissenschaftliches Publikum. Es handelt sich dabei durchweg um seriöse, zum Teil vorzügliche Werke. Interessiert greift man daher zu einem nun in diesem Verlag erschienenen Buch zum Thema "Linksextremismus", vielleicht sind dort gründliche Analysen, fundierte Einschätzungen zu finden, bedenkenswert auch für Leser, die links stehen?


Freilich - die Verfasser des Werkes, Harald Bergsdorf und Rudolf van Hüllen, einer von ihren war als Referatsleiter beim Verfassungsschutz tätig, sind bisher als Autoren von Kampfschriften hervorgetreten, vor allem gegen die Partei "Die Linke" gerichtet. Das ist ihr selbstverständliches Recht, es schließt ja auch nicht aus, daß sie zur Abwechslung übergehen und Wissenschaftliches zu Papier bringen. Also mal nachlesen.

Zum Beispiel: Rosa Luxemburg. Die Partei "Die Linke" hat ihre parteinahe Stiftung nach dieser Frau benannt. Für Bergsdorf und van Hüllen ein Beleg für Extremismus. "Zwar" sei Rosa Luxemburg einem politischen Mord zum Opfer gefallen, "aber" sie sei ja auch "eine rigorose Gegnerin sowohl der Weimarer Republik als der Demokratie als solcher" gewesen. Die PDL "stilisiere" sie nur "zur Kommunistin mit menschlichem Antlitz". Tatsächlich habe Rosa Luxemburg "fanatisch gehetzt, die Freiheit Andersdenkender gar nicht geachtet, die "Weimarer Nationalversammlung verunglimpft " und "bürgerkriegsähnliche Kämpfe gegen die Weimarer Republik" angeführt.

Ein historisch nicht unterrichteter Leser, der diese Charakterisierung übernimmt, kann zu dem Gefühl kommen: Da ist es doch nicht weiter bemerkenswert, daß eine solche Politikerin, der offenbar das menschliche Antlitz fehlte, totgeschlagen wurde. Die historische Wahrheit ist, daß Rosa Luxemburg die "Weimarer Republik" nicht "bürgerkriegsähnlich bekämpft" hat, sie war schon ermordet, als die Nationalversammlung, aus der "Weimar" als politisches System hervorging, zum ersten Mal zusammentrat. Keineswegs war Rosa Luxemburg eine "rigorose Gegnerin der Demokratie als solcher"; sie trat leidenschaftlich für demokratische Verhältnisse ein, auch für solche innerhalb der Linken. Allerdings war sie der Auffassung, ohne Überwindung kapitalistischer Klassenherrschaft, in ihrer Zeit offen brutal und kriegerisch ausgeübt, sei wirkliche Demokratie für alle nicht zu erreichen. Von der Sozialdemokratischen Partei hatte sie sich abgewandt, als deren Führung sich der Kriegspolitik des kaiserlichen Deutschen Reiches anpaßte. Und sie war dafür, daß die Linke sich 1919 an der Wahl zur Nationalversammlung beteiligen solle. Bergsdorf und van Hüllen suggerieren, eine " fanatische Hetzerin" habe einen sonst reibungslosen und friedlichen Übergang zur Demokratie in Deutschland gestört. Würden SchülerInnen in einem gymnasialen Leistungskurs Geschichte, denen ja seriöse Unterrichtswerke u.a. aus dem Verlag Schöningh zur Verfügung stehen, die historischen Umstände vor und um 1919 so darstellen wie es die beiden Autoren tun, bekämen sie zu Recht ein "mangelhaft“.

Wollen Bergsdorf und van Hüllen, nicht nur mit ihrem Zugriff auf die Geschichte, durch Kritik von "Extremismus" der Verfassung Schutz geben? In ihrem Buch fehlt die Erklärung dessen, was im Sinne des Grundgesetzes unter freiheitlich-demokratischer Grundordnung zu verstehen und wo also Verfassungsfeindschaft festzustellen ist. Offenbar meinen die beiden Autoren, unsere Verfassung sei so etwas wie ein neues "Sozialistengesetz", ein Verbot sozialistischer gesellschaftlicher Entwürfe. Da befinden sie sich im Irrtum.

Rätselhaft ist, weshalb ihr Buch vom Verlag mit den Sätzen beworben wird, da werde "klug aufgeklärt ", "umfassend analysiert". Vielleicht wurde von den Schreibern des Klappentextes dieses Werk mit einem anderen Schöningh-Buch verwechselt.


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Lektüreempfehlung des Linken Forums an
Elmar Brok MdEP
Von LiFo
Nicht nur Frankreichs Staatspräsident ist voller Zorn über die in den USA residierende Ratingagentur Standard & Poors, weil diese einigen europäischen Ländern die Kreditnote herabsetzte. Als prominentester Abgeordneter der deutschen Unionsparteien im europäischen Parlament haben Sie sich wutbürgerlich geäußert: Da werde "angloamerikanische Interessenpolitik" betrieben, ein "Währungskrieg" gegen den Euro geführt. Ja ja, die Plutokraten an der Wallstreet, an ihrer Seite das perfide Albion...
Aber vaterländisch geht es dort wie auch hier auf dem Kontinent im Finanzmarkt gar nicht zu. Spekulation verläuft weltbürgerlich. Aus dem Auf und Ab beim Rating ziehen auch eurokontinentale, nicht zuletzt deutsche Kapitaljongleure ihre Profite. Die Regeln des Kreditwesens könnten Sie studieren, den geschäftlichen Sinn des "Mißtrauens als Handelsgegenstand", die sytematische "Falschmünzerei" auch beim "Spiel mit Staatspapieren" - wir verraten Ihnen aber nicht, bei welchem Gelehrten. Ein Tipp immerhin: Der Vorname fängt mit "K" an.

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Ehrenwerte Gesellschaft:
Die Affäre Wulff als Lehrstück
Von M.W.
So richtig Originelles gibt die Handlung nicht her: Ein Provinzpolitiker wird mit Hilfe von unternehmerischen Meinungsbildnern nach oben und ganz oben geschoben - und dann vom Sockel wieder hinunterbefördert, BILD war und ist dabei.


© Screenshot/titanic-magazin.de
Hannover-Connection, vernetzt mit einer Hamburg-Berlin Connection, und wie das in solchen Kreisen so ist, Kumpelei kann sich in Streit verwandeln. Außerdem braucht eine Presse, die Sensationen als Produkt verkaufen will, immer mal wieder neuen Stoff. Da ist der nette Schwiegersohn verblüfft, er soll zum Bösewicht erklärt werden, und weil er gerade auf dem Flug zum Emir ist, bespricht er die mailbox kriegerisch. Womit er sich unpräsidial verhalten hat, der Hellsten einer ist er ja nicht. Wäre er es, hätte er gewiß auch einen besser geschützten Weg gefunden, um zinsgünstig zu einem Eigenheim zu gelangen. Jetzt muß er sich sogar der Frage erwehren, wer denn das Hochzeitskleid für seine Frau bezahlt habe. Und beteuern, ein Feind der Pressefreiheit sei er nicht, prinzipiell betrachtet. Wieso auch, die auflagenstärkste deutsche Zeitung war doch seinerzeit so frei, ihn in die erste Politikliga hochzuschreiben.

Eigentlich ein Schauspiel zum Gähnen. Aber vielleicht doch, unbeabsichtigterweise, ein Lehrstück. Darüber, wie Politiker erst fabriziert und dann zur Ware mit leichten Schäden abgestuft werden, ein neues Angebot kommt in den Markt . Die Prozeduren sind dazu geeignet, das Publikum von der Frage nach den Politikinhalten abzulenken. Das Volk ist damit beschäftigt, Politikdarsteller auf ihre Vorführungskünste hin zu bewerten. Da läßt sich vergessen, was im wirklichen Leben so alles geschieht. Es gibt sie, die gesellschaftspolitischen Realitäten. Sogar sehr bedrängende und, wie man heutzutage gern sagt, "nachhaltige", was auch bedeuten kann: Längerfristig katastrophale. Die Affäre Wulff: Ein Pseudodrama.

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Et in terra?
Von P.S.


Jetzt haben wir es wieder einmal hinter uns - in unzähligen musikalischen und rhetorischen Varianten hat das weihnachtliche "Gloria" seinen Dienst getan, mitsamt dem Versprechen "...et in terra pax hominibus bonae voluntatis ".
 
Zur "Leitkultur" gehört diese Sentenz, in der "westlichen Wertegemeinschaft", von der Ostgrenze Polens bis zur Westküste der USA. Friede auf Erden? Ein trügerisches Bild, derzeit vor allem in jener Weltregion, der die Erzählung christlichen Glaubens entstammt. Unfriede, Krieg, Gewalt, Zerstörung, Androhung des nächsten Krieges - von Palästina über Syrien und den Irak bis zum Iran, flankiert nach Westen und nach Osten, von Libyen bis nach Pakistan. Es handelt sich um Länder, in denen eine andere als die christliche Religion vorherrscht. Aber "christliche" Staaten oder solche, die sich auf christliche Tradition gern berufen , haben seit Kolonialzeiten das Schicksal der Menschen in Nahost und Nordafrika bestimmt und sind auch heute die wirklichen Herren der Lage dort. Sie stützen sich dabei auf die Überlegenheit der Waffen. Niemals haben sie sich ernsthaft auf den Versuch friedlicher Konfliktlösungen eingelassen. Und des Profits wegen stopfen sie die Länder des Unfriedens voll mit Rüstungsprodukten. Offenbar hat die westlich-christliche Politik seit jeher und auch in der Gegenwart das "hominibus bonae voluntatis" eigenwillig ausgelegt, so nämlich: Am guten Willen fehlt es eben all denjenigen Menschen, die sich den Interessen der kolonialen oder neokolonialen Machtinhaber nicht unterwerfen wollen. Denen gilt also das "Pax in terra" nicht. Bei den weihnachtlichen Auftritten wäre dies anzumerken gewesen, damit Nichtchristen keinem Irrtum verfallen.

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Abzug aus dem Irak: Am Ende nur Elend Von P.S.

Das US-amerikanische Militär zieht sich nun endgültig aus dem Irak zurück. Das 0ffizielle - private US-"Sicherheitsfirmen" übernehmen nun dort die Wahrung von Interessen der Vereinigten Staaten.
 
Begonnen wurde der Kreuzzug gegen Saddam Hussein mit einer imposanten Lüge: Der irakische Herrscher bedrohe die Welt mit Massenvernichtungswaffen. Und mit großem Propagandaeinsatz wurde versprochen, in dem kriegerisch "befreiten" Land werde die "Musterdemokratie" in Nahost aufgebaut, unter Regie der USA. Der damalige deutsche Bundeskanzler, obwohl Verfechter einer "Enttabuisierung des Militärischen", war schlau genug, die Bundesrepublik aus der direkten militärischen Teilnahme am Irakkrieg herauszuhalten. Angela Merkel war damals anderer Meinung. Und deutsche "Linksintellektuelle" wie Hans Magnus Enzensberger schimpften auf den "falschen Pazifismus", für freedom and democracy müsse eben auch Gewalt eingesetzt werden. - Wenn die Machteliten in den USA das Ziel hatten, den irakischen Staat als selbständigen Akteur im geopolitischen Spiel und im internationalen Ölgeschäft auszuschalten, dann läßt sich hier Erfolg vermelden. Aber um welchen Preis? Unzählige Menschenopfer hat diese Intervention gekostet, das Land ist zerrüttet, verwildert durch Alltagsterrorismus, im Norden des Irak wird regelrecht Krieg geführt, der "Westen" ist diskreditiert durch kriegsverbrecherische Handlungen von US-Soldaten - von einer neuen irakischen "Zivilgesellschaft" kann gar keine Rede sein, Zerstörung in jeder Hinsicht ist die Bilanz. Hat der "Westen", hat die US-amerikanische Politik aus diesem Fiasko gelernt? Keineswegs. Der Irrglaube an militärische Gewalt als "Kampf für Menschenrechte" wird weiter gepflegt, und dahinter stehen wie eh und je profane Machtinteressen. Wer Freiheit und Demokratie nicht dem Lug und Trug überlassen will, wird gegen die Kriegsherren angehen müssen, bei ihnen ist Läuterung nicht zu erwarten.

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Minister de Maizière:
Gewöhnung an Kriegsopfer

Von AKL


BILD am SONNTAG hat ein Interview mit den Bundesministern Westerwelle und de Maizière geführt, über die Lage in Afghanistan; die Internetseite der Bundesregierung trägt zusätzlich zur Verbreitung desselben bei. Der für die Bundeswehr zuständige Minister sagt darin, daß für „Soldaten, die mit körperlichen oder geistigen Schäden aus Afghanistan zurückkehren“, nun materiell besser gesorgt werde
; darüber hinaus seien diese aber der Zuwendung bedürftig.
Zum Artikel...
Und dann: „Jetzt müssen wir uns als deutsche Gesellschaft auch wieder daran gewöhnen, daß versehrte Menschen aus dem Afghanistan-Einsatz ins Straßenbild gehören. Sie brauchen Anerkennung.“’

Nun ist es ja so, daß bei den Militäreinsätzen der NATO die Versehrten auf der eigenen Seite weitaus geringer in ihrer Zahl sind als die auf der Seite der Gegner und vor allem der Zivilisten. Das allerdings kommt im hiesigen Straßenbild nicht in Sicht. Auch nicht in den Blick geraten die Toten, beider Seiten. An diese Opfer kann man sich also gewöhnen, ohne daß sie straßenbildlich auffallen. Aber wie kommt de Maizière überhaupt auf den Gedanken an das „Straßenbild“, an übliche Alltagseindrücke also? Offenbar geht er davon aus, daß es mit dem Einsatz in Afghanistan nicht getan sei, daß derartige militärische Operationen mitsamt ihren Opfern zur „Normalität“ werden. Und dann brauchen diejenigen, die das versehrt überlebt haben, Zuwendung und „Anerkennung“. Was soll letzteres bedeuten? Beim Anblick der Opfer eine Bestätigung, daß sie „für die richtige Sache“ eingesetzt wurden, daß ihre Verletzungen „Kollateralschäden“ sind, geopolitisch nun mal unvermeidlich? Krieg und das, was er bei Menschen anrichtet – eine Gewohnheitsangelegenheit? „Wieder“, wie de Maizière sagt?

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Riesterrente: Erfolgreich Von M.W. 

Das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat die Effektivität des Rentenmodells untersucht, das vor zehn Jahren mit dem „Altersvermögensgesetz“ eingeführt wurde, als staatlich geförderte private Versicherung.
 
In den Medien heißt es, für die Versicherten sei nach dieser Studie das Ergebnis kläglich, sie hätten ihr Geld besser in den altbekannten Sparstrumpf stecken sollen, ganz abgesehen von dem Risiko, daß private Rentenunternehmen in die Pleite geraten könnten. Ein Misserfolg also? Das kommt mir nicht so vor. Schließlich wird dieses Modell doch nicht Meier-Müller-Schulze-, sondern Riester-Rente genannt, und zur Alterssicherung seines Einführers, des sozialdemokratischen Ministers, hat es gewiß beigetragen. Auch sind die Renditen zu bedenken, derer sich die Versicherungen mit den Riester-Verträgen erfreuen. Sparstrümpfe der Rentner hätten den privaten Assekuranzen und dem Exminister Riester diese schönen Ergebnisse nicht gebracht.

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Reaktionen auf die Euro-Krise:
Wird Deutschland ausgebeutet?
 
 
Von AKL


„Der Deutsche zahlt alles“ – so die ironische und zugleich polemische Überschrift eines Beitrags zu den Finanzturbulenzen in der Eurozone, den ein „nationalkonservativer“ Vordenker ins Internet stellte und dafür viel Beifall bei seinen Lesern findet: „Der Euro ist ein Versailler Vertrag mit anderen Mitteln“, klagen sie die böse Welt an.
   
Das Gefühl, die Deutschen seien durch das europäische System geknechtet und würden von Europas Völkern nun ausgebeutet, ist durchaus publikumsnah. Und nicht selten verbindet es sich mit einem historischen Ressentiment: Schon immer sei „der Deutsche“ von raffinierten „Fremden“ ausgenutzt worden; das sei insbesondere der Fall, seitdem hierzulande „Bußfertigkeit“ herrsche, wegen der Nazi-Zeit.

Wer die Dinge so sieht, hat die wichtigsten wirtschaftsgeschichtlichen Tatsachen nicht zur Kenntnis genommen. Im Ersten und im Zweiten Weltkrieg bereits waren die Interessen deutscher Konzerne und Banken darauf gerichtet, gesamteuropäisches Terrain für sich zu erschließen, zwecks Ausweitung ihrer Profitchancen. Eben solche deutschen unternehmenswirtschaftlichen Interessen, diesmal unmilitärisch, waren bestimmend beim Weg in die westeuropäische Integration und zum Euro-Währungssystem. Für das deutsche Industrie- und Finanzkapital war dieser Kurs höchst erfolgreich. Ob er sich ewig weiter rentiert, ist eine Frage, aber von „Versailles“ kann da keine Rede sein. Und es war nicht politische „Reue“, die deutsche „Wirtschaftsführer“ zu Europäern machte.

Eine weitere Frage ist, wie die europäische Expansion deutscher Unternehmenswirtschaft der auf Arbeit angewiesenen Bevölkerungsmehrheit hierzulande bekommt. Lohndumping war und ist ein Instrument des Konkurrierens um die Außenmärkte, des Niederkonkurrierens anderer Wirtschaftsnationen. Die brauchen dann Kredit, woran ja auch wieder zu verdienen ist – aber wenn es eng wird auf dem Finanzmarkt, müssen Bürgschaften her. Vor allem auch deutsche. Bürgschaften können sich in Kosten verwandeln; diese übernimmt dann der Steuerzahler. Ist also „der Deutsche“ der Dumme, der Ausgenutzte? Nicht jeder Deutsche, denn durch die erwähnte Wirtschaftsgeschichte haben sich große Vermögen gebildet. Bei einer kleinen Zahl von Deutschen. Und die anderen – „übers Ohr gehauen“? Kann man so sagen, aber von wem? „Der Deutsche“, ökonomisch betrachtet, existiert gar nicht. Der eine Deutsche, was die Euro-Geschichte angeht, verdient. Und der andere, wenn die Angelegenheit kritisch wird, zahlt. Und wenn er dabei murrt, kann man ihn ablenken – Ausbeuter sind immer Griechen, Italiener, demnächst Franzosen, letztere altbekannte Erbfeinde…


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Geschäft ist Geschäft: Rüstungslobby
Von P.S.

Die aktuelle Pressemeldung: „Bei Rüstungsexporten muß die Bundesregierung eine aktivere Rolle einnehmen“ – forderte bei einer „Sicherheits“-Konferenz in Berlin der Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs, Haushalts- und „Verteidigungs“-Experte der SPD-Fraktion. 
 
Unter der sozialdemokratisch-grünen Bundesregierung habe das „noch funktioniert“. Kahrs – Oberstleutnant der Reserve – ist bekannt für seine engen Kontakte zu Waffenfirmen. Konversion, also die Umstellung von Militärprodukten auf zivile Tätigkeiten, ist nicht Kahrs Sache. Er setzt stattdessen auf das blutige Rüstungsgeschäft. In der SPD hat Kahrs als einer der Sprecher des „Seeheimer Kreises“ großen Einfluß. Als Leitspruch wäre ihm zu empfehlen: Konflikte schaffen – mit noch mehr Waffen.

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Weltweite Proteste gegen Bankenmacht und für Demokratie Von attac Deutschland

Der Funke ist übergesprungen, die Bewegung ist da: Mehr als 40.000 Menschen haben am Samstag allein in Deutschland ihre Wut über die Macht der entfesselten Finanzmärkte auf die Straße getragen und echte Demokratie eingefordert. Mit dezentralen Aktionen in mehr als 50 Städten hat sich Attac an den Protesten beteiligt.
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Bei einer Kundgebung vor der Europäischen Zentralbank mit 8.000 Teilnehmern haben wir gemeinsam mit den spanischen Indignados und der Occupy-Bewegung ein deutliches Zeichen gegen das Diktat der Banken und Finanzmärkte gesetzt. In Berlin lag der Schwerpunkt der Attac-Aktivitäten auf einer zivilgesellschaftlichen Anhörung zur Krise. Von dort zogen die Teilnehmer zu einer Kundgebung vors Kanzleramt, der sich Tausende anschlossen.


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Terrorstory in den USA:
Kriegsgeschrei als Ablenkungsmanöver

Von AKL

Der Sachverhalt: Ein US-Bürger iranischer Herkunft hat mit einem Dunkelmann aus der mexikanischen Drogenszene Verhandlungen geführt über ein Attentat auf den saudiarabischen Botschafter in Washington. Hintermann des Vorhabens soll ein Mitglied der „Revolutionsgarde“ im Iran sein. Der Verhandlungspartner in
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Mexiko war allerdings ein Undercovermitarbeiter einer US-Dienststelle. Die Regierung der USA tritt daraufhin mit Warnungen vor einem „aggressiven Iran“ auf und kündigt einen „schärferen Kurs“ gegen diesen Staat an; sie wolle den Iran „für diesen geplanten Anschlag in Verantwortung nehmen“.

Mögliche Erklärungen:

Es handelt sich um eine eigenwillige Provokation von Gewerbetreibenden aus dem Dschungel der verschiedenen Geheimdienste, um „Wildwuchs“ sozusagen. Oder:

Sonderinteressenten aus dem konflikthaften Politbetrieb im Iran wollen so, in Konkurrenz zur iranischen Machtelite, den kalten Krieg zwischen dem Iran und den USA bzw. Saudi-Arabien anheizen. Oder:

Saudi-arabische Interessenten, auf der anderen Seite der Front, wurden tätig – mit dem gleichen Ziel. Oder:

Das Unternehmen wurde ausgeheckt in US-amerikanischen geheimen Diensten – mit oder auch ohne Wissen der Regierung in Washington. Denkbar ist hier auch ein verdeckter Zusammenhang mit dem kommenden Kampf um das Präsidentenamt.

Vermutlich wird es lange dauern, bis sich herausstellt, welche Erklärung zutrifft – wenn überhaupt eine Aufklärung zu Erfolg kommt.


Zwei Effekte des Vorfalls sind aber klar zu erkennen: Erstens steigert sich so das Konfliktniveau zwischen dem Iran und den USA bzw. Saudi-Arabien. Diese Stimmungslage kann kriegsvorbereitend wirken. Zweitens wird in den USA abgelenkt von den sich zuspitzenden inneren sozialen Konflikten; in der veröffentlichten Meinung treten die Proteste gegen die verheerenden Finanzgewalten zurück hinter die Angst vor iranischem Terrorismus und den Ruf nach „Vergeltung“. Noch läßt sich nicht sagen, ob dieses Ablenkungsmanöver funktioniert.

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Umweltschädlich:
Berliner Regierungspolitik


Von Rainer Balcerowiak

(...) In einer Halbzeitbilanz bescheinigten der Präsident des Naturschutzbundes (NABU), Olaf Tschimpke, und der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger, der schwarz-gelben Koalition Versagen auf fast allen Gebieten der Umwelt-, Energie-, Agrar- und Verkehrspolitik
.

So sei die Regierung auf dem Gebiet der Energieeffizienz faktisch untätig geblieben, kritisierte Tschimpke. 40 Prozent der CO2-Emmissionen entstünden durch den Energieverbrauch für Wärme in Gebäuden. Dieser könnte im Idealfall um 85 Prozent gesenkt werden, doch alle dahingehenden Gesetzesinitiativen und Förderprojekte seien mittlerweile storniert. Auch sei seit langem bekannt, daß allein durch die flächendeckende Modernisierung von Wärmepumpen in Gewerbe- und Wohnobjekten Energie in der Größenordnung der Jahresproduktion von vier bis fünf Atomkraftwerken eingespart werden könnte. »Ohne mehr Energieeffizienz wird es keine Energiewende geben«, so Tschimpke. Als »haarsträubenden Fehler« bezeichnete der NABU-Präsident ferner die geplante Subventionierung neuer Kohlekraftwerke mit Geld aus dem Energie- und Klimafonds.

Weiger kritisierte falsche Weichenstellungen bei der Förderung erneuerbarer Energien. So sei die mit massiven finanziellen Anreizen geförderte Umwandlung von Grünland in Maisanbauflächen ökologisch kontraproduktiv, da dadurch mehr gebundenes CO2 freigesetzt werde, als durch Mais-Biomasse eingespart werden könne. Zudem zerstörten auf Höchsterträge getrimmte Monokulturen auf Dauer die Bodenfruchtbarkeit und beeinträchtigten die Biodiversivität. Auch sei »der Kampf um die Nutzung der Atomenergie« noch lange nicht beendet. Weiger erinnerte daran, daß der letzte Meiler erst 2022 vom Netz gehen soll und vor allem die Endlagerfrage vollkommen ungeklärt ist. Gorleben sei endgültig gescheitert und andere Standorte bislang weit und breit nicht in Sicht. Es sei ein Skandal, daß der nukleare Müllberg täglich wachse und bislang »kein Gramm endgelagert« sei.

In der Agrarpolitik wirft Weiger der Bundesregierung vor, nach wie vor auf industrielle Tierproduktion zu setzen – mit allen negativen Folgen für Umwelt, Verbraucherschutz und durch die agressive Exportförderung auch für lokale Märkte in ärmeren Staaten. »Die Bundesregierung darf sich nicht weiter gegen eine Agrarreform in Brüssel stemmen. Sie muß den Mut haben, die Millionensubventionen und gesetzlichen Privilegien für die Agrarindustrie endlich abzubauen. Sonst werden unter dem Preisdruck der Ernährungsindustrie die bäuerlichen Betriebe und mit ihnen artenreiche Wiesen und Weiden sowie die Option auf mehr Tierschutz verschwinden«, so Weiger.

Wie auch Tschimpke forderte der BUND-Vorsitzende eine Wende in der Verkehrspolitik. Der gesamte Bundesverkehrswegeplan gehöre auf den Prüfstand, Bestandssanierung müsse Vorrang vor Straßenneubau haben. Auch müßten den Lippenbekenntnissen zum Vorrang der Schiene besonders beim Gütertransport endlich Taten folgen, statt Modellversuche mit überlangen LKW, sogenannten Monstertrucks, durchzupeitschen.

Als »vollkommen absurd« bezeichnete Weiger die von der Regierung eingeführte Energieeffizienzkennzeichnung für Autos. Da der Spritverbrauch dabei in Relation zum Fahrzeuggewicht gesetzt werde, bekäme manch schwerer Geländewagen mit einem Verbrauch von 13 oder mehr Litern pro 100 Kilometer ein grünes Label, ein sparsamer Kleinwagen in Leichtbauweise dagegen nicht.

Positive Ansätze sehen die beiden Verbandspräsidenten lediglich bei Bundesumweltminister Norbert Röttgen von der CDU, der sich kaum durchsetzen könne, wie seine letztlich stark verwässerten Entwürfe für ein Energie- und ein Kreislaufwirtschaftsgesetz zeigten. Als »äußerst effizient bei der Verhinderung einer Energiewende« erweise sich dagegen das FDP-geführte Wirtschaftsministerium, so Weiger unter Verweis auf das blockierte Gesetzesvorhaben zum Ausbau der dezentralen Energieversorgung durch Kraft-Wärme-Kopplung.

© 2011 jungeWelt, 07.10.2011
 

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Bundestag:
Augen zu und weitermachen
Von M.W.

Angela Merkel ist erst einmal gerettet; Sie hat bei der Abstimmung im Bundestag über den nächsten „Rettungsschirm“ die sogenannte Kanzlermehrheit erreicht (nebenbei: handelt es sich nicht um eine Kanzlerin?). Allerdings: Der übernächste wird gewiß folgen, er wird noch teurer.

 
SPD und Grüne haben zugestimmt, bei je einem Abweichler; die Linkspartei hat opponiert; bei der CDU/CSU und bei der FDP gab es einige Dissidenten, Carsten Linnemann aus Paderborn gehört zu ihnen.

Daß die ganz Große Koalition der Befürworter einer solchen Rettungsaktion durchschaut, was da im Finanzmarkt abläuft und welche Effekte die „Rettungsversuche“ haben, wird man beim besten Willen nicht annehmen können. Die Kanzlerin, das kann man gut verstehen, hat die vage Hoffnung, die Turbulenzen in der Welt der Spekulation möchten wenigstens etwas abnehmen, aber auch das ist spekulativ. Die Politik hat nämlich darauf verzichtet, in das finanzspekulative Geschehen einzugreifen. Wollte sie dies tun, käme sie mit ihrem Glaubensbekenntnis an die „Marktwirtschaft“ in Konflikt.

Und so nimmt sie die steuerzahlenden Bürgerinnen und Bürger als Bürgen für die großen Banken und Kapitalfonds weiter in die Pflicht, falls da Verluste beim Profit drohen. Zugleich verschweigt sie, daß die sorgenbringende und steigende Staatsverschuldung zwei Seiten hat: Einerseits Steuerlasten und Abbau öffentlicher Leistungen bei der Masse der Bevölkerung; andererseits prächtige Vermögensbildung bei einer kleinen Schicht. Die Schuldentitel und Zinszahlungen der öffentlichen Hand wandern nämlich in private Hände, in wenige, wer hat, dem wird gegeben.

Ob die Bundeskanzlerin sich darüber in stillen Stunden wohl Gedanken macht? Wir wissen es nicht, denn sollte es so sein, schweigt sie darüber. Sonst käme sie ja auch in den Verdacht, daß bei ihr aus den Zeiten der Schulung in der DDR etwas hängengeblieben ist.

Aus der FDP kam pünktlich zur eigenen Zustimmung für den „Rettungsschirm“ öffentliche Kritik an demselben. Geistige Verwirrung? Eher der klägliche Versuch, beim Weitermitregieren zugleich von der populären Kritik an der Regierung zu profitieren, als ein Rettungsschirmchen gedacht für die Minipartei.

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Nach der Wahl in Berlin:
Gedankenspiele
Von M.W.

Klaus Wowereit bleibt der Berliner politische Stadtstar, Renate Künast zieht sich wieder zurück in die Bundespolitik, und die FDP ist nun in der Hauptstadt außerparlamentarische Opposition; aber die Piraten sind an Bord gegangen. Was sagt uns das?
Daß Wowereit damit der Favorit beim Casting für den SPD-Kanzlerkandidaten wird, ist unwahrscheinlich. Und warum sollte er sich so etwas antun? Spaß macht das nicht. Die Grünen werden nicht wissen, ob sie Pech oder Glück gehabt haben – ihr Flirt mit der CDU in Berlin war schon vor dem Wahltermin beendet, das Publikum fand keinen Gefallen daran. Der FDP hat es nicht auf die Beine geholfen, daß sie schnell noch Annäherungen an den Rechtspopulismus versucht hat. Der Misserfolg bei der Berliner Wahl schließt aber nicht aus, daß sie bundesweit vielleicht doch ihre Rettung in einem solchen Kurs sieht. Daß die Piraten Zustimmung gefunden haben, ist aufschlußreich: Vor allem jüngere WählerInnen sind offenbar froh, wenn Newcomer sich nicht an die Konventionen des etablierten Parteienbetriebs halten und das Stadtparlament aufzumischen versprechen. Allerdings – ein Trend im Berliner Milieu läßt sich nicht ohne weiteres auf die bundesrepublikanische Fläche übertragen.

Die Linkspartei mußte nicht so viel Federn lassen, wie sie selbst befürchtet hatte, aber gerupft wurde sie. Sicherlich nicht deshalb, weil sie zu links gewesen wäre; sie hatte sich ja ziemlich brav verhalten, in der Koalition mit der SPD. Aber der sozialen Unzufriedenheit, die es „unten“ in Berlin massenhaft gibt, hat sie keinen Ausdruck geben können. Nicht zu vergessen: Rund 40 Prozent der Berliner Wahlberechtigten haben keinen Sinn darin gesehen, ihre Stimme abzugeben. Wen würden sie wählen, wenn sie sich zur Teilnahme an einer Wahl entschließen würden? Darüber können uns die Demoskopiefirmen keine Auskunft geben, weil sie vom derzeitigen parteipolitischen „Angebot“ ausgehen, vom „status quo“. Der muß jedoch nicht dauerhaft sein. Wer weiß, ob nicht noch mehr und noch andere Freibeuter sich regen.

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Lippe in Not Von P.S.

Ein im wörtlichen Sinne schwergewichtiges Argument gegen einen Nationalpark in OWL hat jetzt ein Kommunalpolitiker der CDU vorgebracht: „Der Augustdorfer Bürgermeister Andreas Wulf beschrieb die Gefahr umstürzender Bäume, weil der Nationapark bis an lippische Siedlungen heranreichen solle“
Das Neueste...
(Bericht der Neuen Westfälischen vom 15.9.2011).
Das ist hart. Da könnte so mancher Lipper seine Heimstätte verlieren oder gar ein Baumopfer werden, während die westfälischen Anrainer eines Nationalparks geschont würden: Erst einmal würde der Sennesand dafür sorgen, daß ihnen der Urwald nicht zu nahe rückt. Merkwürdig übrigens, daß sich die oben zitierte Passage in der NW in einem Textteil findet, dessen Überschrift lautet: „Ein Gewinn für die Region“. Eine klammheimliche Freude über Lipper in Not?

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Rettungsschirm gerettet – Problem nicht gelöst Von M.W.

Die Bundeskanzlerin ist nicht zu beneiden; in den Reihen der Regierungskoalition rumoren die Zweifel an der europäischen Finanzpolitik und der deutschen Rolle darin. Daß Angela Merkel und ihre Getreuen wüssten, wohin die immer größeren „Rettungsaktionen“, die sie betreiben oder mitbetreiben, am Ende führen werden, ist nicht anzunehmen.

Sie verlassen sich da auf den Sachverstand der großen Banken, und diese – wie könnte es anders sein – geben Ratschläge, die von ihren eignen Interessen geleitet sind. Das Bundesverfassungsgericht hat jetzt so entschieden, daß der Bundesregierung ein Debakel erspart bleibt. Sie hat, sagen die Richter in Karlsruhe, zu Recht „gerettet“ und darf dies im Prinzip auch weiter tun. Aber das Haushaltsrecht des Bundestages dürfe sie dabei nicht aushebeln, schließlich sei die Bundesrepublik ja eine parlamentarische Demokratie. Also wird der Haushaltsausschuß des Bundestages sich stets den Kopf zerbrechen müssen: Sollen wir wieder und noch mehr Bürgschaften oder Finanzhilfen in das „Projekt Europa“ hineinstecken? Wohl kaum jemand glaubt, daß die Parlamentarier im Ausschuß das finanzpolitische Dickicht durchschauen oder gar lichten könnten, in dem sie bei solchen Entscheidungen sich bewegen. Aber der demokratischen Form ist Genüge getan, und das Volk kann sich, wenn’s schief geht, nicht beklagen; seine Vertreter waren ja tätig. Und dann gibt es da die Anbieter von „Alternativmedizin“ für die Schuldenkrankheit: „Zurück zur D-Mark“, „Raus mit den Schuldenstaaten aus der Währungsunion“ usw. usf. Auch diese „Retter“ sind nicht der Lage, die Folgen ihrer Rezepte auch nur halbwegs sicher zu kalkulieren. Ihnen geht es um Stimmungsmache, um Gewinn an öffentlicher Aufmerksamkeit.

Und die großen Oppositionsparteien im Bundestag, SPD und Grüne, die gern diese Gelegenheit benutzen, um sich als die besser Regierenden darzustellen? Wer zur Kenntnis nimmt, was etwa Peer Steinbrück oder Jürgen Trittin in der Vergangenheit zu Turbulenzen im Finanzmarkt von sich gaben, wird auch in ihnen keine Retter vor der Schuldenlast sehen können.

Realistisch betrachtet: Die Politik weiß längst selbst nicht mehr, was sie finanzpolitisch tut. Die „Märkte“, demokratisch-staatlich nicht kontrolliert, beherrschen das Feld, die Regierungen und Parlamente laufen ihnen hilflos nach. Und das bleibt so – es sei denn, das Volk, politische Bewegungen und schließlich auch die Parteien würden es riskieren, sich mit der modernen Feudalherrschaft anzulegen, die finanzkapitalistischen Machthaber zu enteignen. Das wäre dann wirklich ein „europäisches Projekt“. Und das Bundesverfassungsgericht müßte gar nicht erschreckt sein – siehe Artikel 14 des Grundgesetzes.

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Deutschland-Libyen:
Krieg verpaßt


von P.S.


Prominente Politiker der Grünen, der SPD und zum Teil auch der Regierungskoalition nehmen Merkel und Westerwelle aufs Korn: Durch die Enthaltung bei der UN-Sicherheitsratsresolution zu Libyen seien die Interessen der Bundesrepublik schwer beschädigt worden.



Die meisten Medien stimmen dieser Kritik zu und fügen an, es sei auch zu befürchten, daß deutsche Unternehmen bei der wirtschaftlichen Neuverteilung in Libyen zu kurz kämen. Der ehemalige grüne Außenminister Fischer dramatisierte: Die Enthaltung sei das „größte Debakel seit Gründung der Bundesrepublik“.

Aufschlußreich eine Äußerung der taz-Redakteurin Ulrike Winkelmann; im Interview mit dem grünen Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele, der für eine Beteiligung der Bundeswehr am Libyen-Krieg nach wie vor keine Sympathie entwickeln will, fragte sie: „Die Frage nach den zivilen Opfern beiseite gestellt – mit UN-Mandat in fünf Monaten von Diktatur zu Demokratie: Wer wollte etwas dagegen haben?“ Ja wer wohl – jedenfalls nicht diejenigen, die beim Bombadieren ums Leben gekommen sind. Die können sich nicht mehr zu Wort melden.

So einfach ist das, wenn man dem Medienmainstream folgen will: Jetzt kommen Demokraten in Libyen ans Ruder, nur edle Motive haben dem militärischen Zugriff der NATO zugrundegelegen, wer wollte da an Öl und ähnlich profane Dinge denken. Und über die Opfer der Operation muß man nicht reden oder nachdenken…

Nun steht die Bundesrepublik dumm da – sie hat nicht mitbombardiert.

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Anmerkung: Ulrike Winkelmann, eine begabte Journalistin, ausgezeichnet mit dem „Alternativen Medienpreis“, ist ein „Paderborner Gewächs“.
 

 


   

 
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