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Glosse vom 14. Dezember 2012:

Demos in Berlin -
und dazu Quark


Ob ich am 13.Januar nach Berlin fahre, wegen "LL" oder auch "Karl & Rosa", wie diese und jene AufruferInnen es modisch flott formulieren? Ich weiß nicht. Für welche der Einladungen soll ich mich entscheiden? Bei "LL" werden Stalin, Mao, Ho Chi Minh und Honecker mitgeschleppt, symbolisch jedenfalls - warnen mich die "Karl&Rosa"- Leute. Außerdem ist in der Einladung für "LL" von der Gefahr eines "Weltenbrandes" die Rede, und das, wissen die Konkurrenten von "LL", ist ein Begriff aus der Edda. Näheres über germanische Gefährlichkeit ist wohl in der sogenannten antideutschen Publizistik zu erfahren, soll ich die nun erst noch studieren? Die "Antideutschen", das sind deutsche Linke, ganz radikale, die den Ursprung aller Übel auf der Welt entdeckt haben: Im deutschen Gen steckt er. "Antideutsches", so scheint es, wirkt bei den Aufrufern zur "Rosa&Karl"-Demo mit.

Stalinikonen allerdings mag ich auch nicht. Auch da aber wird es kompliziert: Muß ich mich deswegen auch Bildern von Ho Chi Minh fernhalten? Für "Karl& Rosa" werben die Jusos, denn "Revolution ist großartig, alles andere ist Quark". Hat Rosa Luxemburg in einem Brief geschrieben, und so etwas gefällt dem SPD-Nachwuchs. Wenn das Noske wüßte! Er käme in Versuchung, die jungen Leute in seiner Partei Mores zu lehren, auf seine Art. Oder würde er, Realo der er war, sich schnell beruhigen? Weil er wußte, sozialdemokratisches Papier ist geduldig. Bei "Rosa& Karl "will auch die Solid-Linksjugend mitmachen. Sie freut sich offenbar, mit Jusos zusammen demonstrieren zu können. Die SPD-Eltern hingegen wollen ja nichts mit den PDL-Eltern zu tun haben.

Der Werbetext für diese Demo ist sehr lang, noch dazu syntaktisch eigenwillig, so daß ich über manches darin erst einmal rätseln muß. Zum Beispiel: "Personalisierte Kapitalismuskritik", so heißt es dort, öffne "die Tür zum Antisemitismus". Vielleicht ist "personalisierend" gemeint, auch dann komme ich jedoch in Schwierigkeiten: Ist es judenfeindlich, wenn ich den Eindruck habe, daß im Kapitalismus Kapitalisten fungieren? Oder haben die "Rosa&Karl"-AufruferInnen im Hinterkopf, daß man von Kapitalisten nicht böse sprechen solle, weil die tatsächlich allesamt Juden seien? Da wird es mir unheimlich; glaubten das nicht die Nazis?

"Jusos wissen", steht im "Rosa&Karl"-Aufruf, "um die spannungsgeladene Geschichte ihrer Partei". Am 13. in Berlin, insofern muß sich der Hauptstadttourist nicht ängstigen, wird diese Spannung keine explosive Entladung hervorbringen, so elektrisierend geht es derzeit in der und um die Sozialdemokratie nicht zu. Eine Revolution ist da nicht zu erwarten. Und einen SPD-Wehrminister gibt es zur Zeit auch nicht.
Ich glaube, ich fahre doch nach Berlin, wegen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Mit Stalin hatten die nichts zu schaffen, mit den "Antideutschen "auch nicht. Tote freilich können sich nicht mehr wehren, nicht einmal gegen linksjugendlichen& jungsozialdemokratischen Quark.

Marja Winken

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Marja Winken

 
 
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