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Glosse
vom 28. Juni 2010:
Zeitgeschichte auf bayerisch
Von
M.W.
Schon
wieder Zoff zwischen den Schwarzen und den Gelben: Die bayerische
Familienministerin Christina Haderthauer von der CSU hat der
FDP vorgeworfen, sie wolle „sozialistische Familienpolitik
á la Pinochet“ machen. Der Anlaß: FDP-Politiker
hatten vorgeschlagen, bei nicht berufstätigen Eheleuten
das Elterngeld zu streichen. Inzwischen rückten CSU-Kollegen
von der „Wortwahl“ ihrer Parteifreundin ab. Aber
was Ministerin Haderthauer gemeint, was hat sie durcheinander
gebracht? Sie wollte der FDP verbal kräftig eins auswischen,
und da dachte sie: „Sozialismus“ als Schimpfwort
kommt immer gut, und „Pinochet“ als ein solches
auch nicht schlecht, also nehm’ ich beides. Tatsächlich
war der chilenische Diktator Pinochet ein mörderischer
Feind aller Sozialisten, und seine Politik war „markt“-radikal.
Frau Haderthauer läßt uns an der Qualität
der sonst so gerühmten bayerischen Geschichtspädagogik
zweifeln, was Zeithistorie angeht. Vielleicht kennt sie sich
in Sachen Wittelsbacher-Dynastie besser aus. Aber die bayerischen
Könige lassen sich nicht gegen den Koalitionspartner
in Stellung bringen.
Ganz unbekannt ist der CSU-Politikerin Haderthauer
offenbar die Geschichte des Heroen der eigenen Partei; Franz-Josef
Strauß war Pinochet-Fan, auch wenn darüber die
CSU heute nicht mehr gern spricht.


Gesammelte
Glossen 2006-2008
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