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Glosse
vom 22. Juni 2010:
Gauckelei
Von
AKL
Wer
hätte das gedacht: Frank-Walter Steinmeier und Cem Özdemir
sind Hölderlin-Liebhaber. „Komm! Ins Offene, Freund!“
überschreiben sie eine öffentliche Aufforderung
an parteipolitisch andersgläubige Mitglieder der Bundesversammlung,
sich für den von SPD und Grünen vorgeschlagenen
Präsidialkandidaten zu entscheiden. Über die „politische
Lagerlogik“ müsse man hinausdenken bei diesem Akt;
ganz ohne eigennützige Motive seien ihre beiden Parteien
bei ihrem Vorschlag für das Staatsoberhaupt: „Es
geht uns nicht darum, einen Sieg von Joachim Gauck in eine
Niederlage von Schwarz-Gelb zu verwandeln. Im Mittelpunkt
sollte doch vielmehr stehen, daß eine Persönlichkeit
Bundespräsident wird, die….“ Nachfolgendes
muß hier nicht zitiert werden, die hervorragenden Eigenschaften
dieses Kandidaten sind dank massivem Medieneinsatz von BILD
bis zur FAZ hinreichend bekannt. Aber halt, an anderer Stelle
des Briefes von Steinmeier und Özdemir ist merkwürdigerweise
zu lesen: „Das Scheitern des Kandidaten Wulff würde
… als eine Niederlage der schwarz-gelben Koalition mit
unabsehbaren Konsequenzen empfunden.“ Also doch? Da
haben die literarisch interessierten Mitarbeiter der beiden
Parteigrößen offenbar politisch nachlässig
vorformuliert. Ob Angela Merkel nun Trost findet im romantischen
Sprücheschatz? Es bietet sich an: „Wo aber Gefahr
ist, wächst das Rettende auch.“


Gesammelte
Glossen 2006-2008
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