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Glosse
vom 17. Juni 2010:
Mixa im Fegefeuer
Von Max Holzmüller
„Schlammschlacht unter Gottesmännern“ titelt
die Neue Westfälische und berichtet vom jüngst
entfachten Streit des Ex-Bischofs von Augsburg, Walter Mixa,
mit den Oberhirten Reinhard Marx (München) und Robert
Zollitsch (Freiburg). Der Anlass: Mixa, wegen Prügel-
und Missbrauchsvorwürfen an Zöglingen von seinem
Bischofsamt mit päpstlicher Genehmigung zurückgetreten,
sieht sich als Opfer auf ihn ausgeübten Drucks durch
benannte Kollegen. Diese hätten sich ihm gegenüber
unkollegial verhalten, „mangelnde Brüderlichkeit“
an den Tag gelegt. Mixa betreibt seinen „Rücktritt
vom Rücktritt“, ein entsprechendes Gesuch habe
er dem Papst unlängst zukommen lassen.
Nun
ist die katholische Kirche nicht gerade durch eine ausgeprägte
Diskussionskultur bekannt. Und die Revision eines einmal gefällten
Urteils, zumal wenn dieses vom Kirchenoberhaupt höchstselbst
ausgesprochen wurde, kann manchmal einige Jahrhunderte oder
sogar eine Ewigkeit auf sich warten lassen. Das liegt daran,
dass „Autorität“ und „Machtausübung“
im Amtskirchenverständnis sich unter anderem mittels
„Irrtumsfreiheit“ herstellen. Das ableugnende,
angeblich fehlerlose Verhalten Mixas im Vorfeld seines Rücktritts
- durchaus angereichert mit zweckdienlichen Lügen - zeugt
davon. Und nun sollte sich ein Größerer, der Papst,
im Falle Mixas geirrt haben? – Unvorstellbar! Der Augsburger
wird sehr gut um die Mechanismen wissen. Ergo: er schweige
still.
Zur
Selbststilisierung Mixas in der Opferrolle gehört auch
der Hinweis, er habe sich beim Rücktritt „wie im
Fegefeuer“ gefühlt. - Fegefeuer? Wir wissen nicht,
wo Mixa sich da aufgehalten hat, ihm war vielleicht ganz einfach
übel. Denn die auch als Vorhölle bekannte jenseitige
Zwischenregion wurde vom derzeitigen Papst im April 2007 per
Diktum abgeschafft. Ziemlich endgültig.


Gesammelte
Glossen 2006-2008
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