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Glosse
vom 02. Mai 2010:
"Schamloser
Wahlkampf":
Sigmar Gabriel und das "soziale Gewissen"
Von M.W.
Die Ostwestfalen, denkt der SPD-Bundesvorsitzende, lieben
es deftig, und so verabreicht er ihnen in seinem Großinterview
in der Neuen Westfälischen kräftige Kost: Eine NRW-Ministerpräsidentin
rot-grüner Art werde „den Irrsinn“ der Bundesregierung
„stoppen“, und die SPD sei in der Lage, auch mit
den „Zockern“ im Finanzmarkt fertig zu werden:
„Die Banken und die Spekulanten an den Börsen müssen
an die Kette gelegt werden, sie müssen für die Krise
zahlen“. Der SPD-Bundesfinanzminister habe doch gezeigt,
was da „Entschlossenheit“ bewirken könne.
Und mit Hannelore Kraft statt Jürgen Rüttgers werde
NRW „wieder zum sozialen Gewissen Deutschlands“.
Nur solle man, damit dies alles möglich wird, die Linkspartei
aus dem NRW-Landtag heraushalten, denn die wolle „ein
Recht auf Rausch“ und „alles verstaatlichen, was
größer ist als eine Currybude.“
Aber
war da nicht was, in Zeiten SPD-geführter Regierungen,
auch in den Jahren der CDU/CSU/SPD-Bundesregierung? Die Öffnung
der Bundesrepublik für internationale Finanzspekulationen
(unter Schröder, in Rot-Grün)? Die steuerliche Begünstigung
von Geldvermögen, damit spekulatives Geld sich anhäufen
kann, ebenfalls unter Schröder? Die Hartz-Gesetze, damit
der Billiglohnsektor gedeiht, unter Schröder und Clement
(der vorher das „soziale Gewissens-Land“ NRW regiert
hatte, später der SPD den Rücken zuwandte und derzeit
für die FDP wirbt, allerdings mit lobenden Worten für
Hannelore Kraft)? Und ein „Rettungsschirm“, damit
nicht die Banken für die Krise zahlen müssen, unter
dem SPD-Bundesminister Steinbrück, in Schwarz-Rot?
Schnee von gestern, denn jetzt hat die SPD ihren Kraft-Protz.
Der wird auch dafür sorgen, daß die Linkspartei
Deutschland nicht in den Rausch treibt und die Handwerker
nicht von dieser Partei enteignet werden. Ein Erzretter Gabriel,
der auch „schamlosen Wahlkampf“ in dem besagten
Interview rügt – den der CDU.


Gesammelte
Glossen 2006-2008
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