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Glosse vom 22. März 2010:

Geld weg?

Von AKL

Wirklich eine Spitzenfrau: Liz Mohn leitet das weitverzweigte Bertelsmann-Imperium, nach dem Testament ihres verstorbenen Mannes bis zu ihrem 75. Geburtstag. Für die Nachfolge stehen ihre Kinder Christoph und Brigitte bereit. Brigitte Mohn, jetzt bereits im Aufsichtsrat der Bertelsmann AG und im Vorstand der Bertelsmann Stiftung tätig, nimmt sich offenbar ein Vorbild an ihrem Vater, sie philosophiert gern über gesellschaftliche Reformen, so neulich beim Verband der Unternehmerinnen Deutschlands. Bislang unbekannte Herausforderungen kämen auf die Deutschen zu, trug sie vor; da müßten neue Formen der Kooperation von Staat, Wirtschaft und „Zivilgesellschaft“ entwickelt werden. Zum Beispiel: Wenn ein bisher als kommunale Einrichtung betriebenes Krankenhaus mangels Finanzen in der Gemeindekasse nicht mehr weitergeführt werden könne, müßten eben „die Bürger selbst es übernehmen“. Es versteht sich, daß sie dabei erfahrene Berater, solvente Mitarbeiter und Investoren brauchen, auch Stifter. Durch stifterisches Engagement, so Brigitte Mohn, könnten Unternehmerfamilien „etwas an die Gesellschaft zurückgeben“, durchaus auch im eigenen Interesse, denn „Social Sponsoring“ diene auch dem unternehmerischen Image und den Kundenbeziehungen. Allerdings - wenn Unternehmen stiften, sei „das Geld weg“. Deshalb seien weitere Steuererleichterungen für stiftende Konzerne fällig.

Verarmen freilich, ist anzumerken, muß eine stiftende Unternehmerfamilie nicht, wie das Beispiel Mohn zeigt. In der Rangtafel der Milliardäre hat sich Liz Mohn hochgearbeitet, meldete neulich das Magazin „Forbes“; sie verfügt jetzt über 4,4 Milliarden Dollar Vermögen. Im übrigen tun sich, um das Beispiel von Brigitte Mohn aufzugreifen, beim Stiften interessante Möglichkeiten auf: Mal angenommen, ein Krankenhaus soll in Bürgerhand überführt werden, so braucht dieser Prozeß ja sachverständige Hilfe. Zu dieser wird die Bertelsmann-Stiftung gewiß bereit sein - und weshalb sollte die Bertelsmann AG in Gestalt von Arvato nicht die dann notwendige geschäftliche Administration der nun „zivilgesellschaftlichen“ Einrichtung übernehmen?

Beim unternehmerischen Stiften, wird häufig verlangt, müsse mehr auf „Effizienz“ geachtet werden, „ergebnisorientiert“ müsse es angelegt sein. Um vermögenden privaten Sponsoren und stiftenden Konzernen bei ihrem Engagement Orientierungshilfen zu geben, gründet jetzt die Bertelsmann-Stiftung „Phineo“, eine gemeinnützige AG, mit der deutschen Börse und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG als Partnern. „Phineo“ soll Daten über unterstützungswürdige gemeinnützige Projekte bereithalten, Rating zur „Nachfrage“ von Spenden betreiben und Sponsoren beraten, wohin ihr Geld zweckmäßigerweise hinfließt. „Phineo“ will auch Spenden vermitteln und abwickeln, „wie eine Art Broker“ zwischen Stiftern oder Spendern und den empfangenden Einrichtungen und Organisationen, schreibt das „Manager-Magazin“.

So läßt sich steuern, daß „Social Sponsoring“ nicht aus dem Ruder läuft, daß eine „gesellschaftliche Effizienz“ erreicht wird, wie sie die Familie Mohn im Sinne hat. Schöne neue „Bürgergesellschaft“, mit Gütersloh als Hauptstadt.

Gesammelte Glossen 2006-2008

 

 
 

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