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Glosse
vom 15. Februar 2010:
Spitzen-Politiker:
Guido
in Erregung, Frank in Verwirrung
Von
M.W.
Eigentlich
hätte Guido Westerwelle in der großen weiten Welt
genug zu tun, aber die Umfragewerte seiner Partei kamen ihm
da in die Quere, und so mußte er sich wieder einmal
inländisch echauffieren, in der Hartz IV-Debatte: Die
Bundesrepublik, warnte er lauthals, gerate auf den „Weg
in anstrengungslosen Wohlstand“, in „spätrömische
Dekadenz“. Da ist nun, wer humanistische Gymnasialbildung
nicht genossen hat, endlich unterrichtet: Die Spätrömer
verbrachten ihre Tage mit dem Ausfüllen von Formularen
für die Arbeitsverwaltung und Bittbesuchen bei ihrem
Fallbetreuer; wenn’s knapp wurde, speisten sie in der
Tafel. Dekadent, so eine Lebensweise.
Guido
stieß mit seiner Kritik am Sozialstaat auch auf Kritik,
was er unverschämt fand und mit dem Satz verdammte, da
bahne sich doch tatsächlich „eine ziemlich sozialistische
Entwicklung an in dieser Republik“.
Das
wiederum rief den zweiten Spitzenmann der SPD auf den Plan,
Frank
(-Walter) Steinmeier. Unglaublich, meinte er, da bezichtige
doch tatsächlich der FDP-Guido „die halbe Republik
des geistigen Sozialismus“.
Nanu.
Verkündete die SPD denn nicht immer, auf den Programmpapieren
jedenfalls, sie strebe den Sozialismus an, den demokratischen
selbstverständlich? Und könnte Frank nicht froh
sein, wenn selbst Guido feststellt, die halbe Republik sei
nun schon von diesem Gedanken angetan? „Sozialismus“,
da sind wir also jetzt auch unterrichtet, ist ein Schimpfwort,
in SPD-Ohren.


Gesammelte
Glossen 2006-2008
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