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Glosse vom 15. Februar 2010:

Heiliger Abfall

Von LiFo

Die Spitalstiftung Konstanz kündigte einer 58jährigen, seit mehr als 15 Jahren dort beschäftigten „außerordentlich“, d.h. fristlos, weil diese einige nach der Essensausgabe übrig gebliebene, für die Entsorgung im Müllcontainer vorgesehene Maultaschen zum eigenen Verzehr an sich genommen hatte, obwohl eine Anweisung der Spitalverwaltung bestand, ein „Resteessen“ sei nicht gestattet. Materialwert des „Diebesgutes“: Etwa 3,35 Euro. Das Arbeitsgericht Lörrach, von der Gekündigten in Anspruch genommen, erklärte die Kündigung für begründet, durchaus in Kenntnis der Tatsache, daß die Pflegerin aufgrund der arbeitsvertraglichen Umstände „ordentlich“ nicht kündbar war, aber nun als Gekündigte in ihrem Alter nur „schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt“ hat (so das Gericht). Die Begründung des Urteils: Das Eigentumsrecht müsse geschützt werden, auch wenn es sich um einen bereits wertlos gewordenen, also dem Abfall zugedachten Gegenstand handele. Als „Arbeitgebereigentum“ sei auch der Müll „der Disposition der Mitarbeiter entzogen“. Die Spitalstiftung Konstanz ist eine Einrichtung christlicher Tradition, in der Gründungsurkunde dem „Feuer der Nächstenliebe“ gewidmet. Aber so heftig brennt dieses offenbar nicht, daß es die Heiligkeit des Eigentums von Arbeitgebern auch an ihrem Müll zum Schmelzen bringen könnte.

(Näheres in der vom DGB herausgegebenen Zeitschrift „Arbeit und Recht“, Ausgabe Februar 2010.)


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