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Glosse
vom 05. November 2009:
Rechnerisch
Von
P.S.
"Deutsche
wieder reicher" - meldet jetzt auf seiner Titelseite
das Westfalen-Blatt/Westfälisches Volksblatt,
"jeder besitzt rein rechnerisch 55.000 Euro". Die
privaten Haushalte in der Bundesrepublik, so wird erläutert,
verfügen zur Zeit über 90 Milliarden Euro mehr als
zum Jahresbeginn, insgesamt 4,534 Billionen Euro.
"Rechnerisch"
- der Begriff legt nahe, es handele sich bei den 55.000 um
etwas Greifbares. Da kann auch der letzte Hartz IV-Empfänger
zufrieden sein. Überträgt man diese Methode der
journalistischen Titelei auf andere Lebensbereiche, ließe
sich folgende Meldung bringen:
"Unternehmer
noch krimineller. Jeder rein rechnerisch zu
Strafgeld
verurteilt". Zugrunde läge dem ein bundesrepublikanischer
Gesamtbetrag von Geldstrafe bei Unternehmern wegen Veruntreuung,
Steuerhinterziehung etc., in seiner Steigerung gegenüber
dem Vorjahr.
"Rechnerisch"?
Tatsächlich handelt es sich um den statistischen Durchschnitt,
und der sagt nichts aus über die jeweilige Wirklichkeit
- nichts darüber, daß z.B. der eine Deutsche sehr
reich und der andere ziemlich arm ist. "Den" Deutschen
finden wir in der Realität nicht vor.


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Glossen 2006-2008
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