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Glosse
vom 20. Oktober 2009:
Neues aus dem Polittheater
Von
M.W.
"Wenn
es um die Effizienz geht, ist die Wirtschaft der Politik meistens
voraus" - schreibt einleitend das "Westfalen-Blatt"/"Westfälisches
Volksblatt" in einem Beitrag, mit dem es noch einmal
die Lehren würdigt, die der verstorbene Bertelsmann-Chef
Reinhard Mohn Staat und Gesellschaft hinterlassen habe. Hocheffizient
war die Finanzwirtschaft bei ihren Bemühungen, die Kosten
ihrer spekulativen Aktivitäten auf die Politik, d.h.
die Steuerzahler abzuwälzen, und so muß nun in
Zukunft an anderen Stellen gespart werden. Als Mahner, die
Sozialsysteme zu "verschlanken", tat sich jetzt
beim Deutschlandtag der Jungen Union besonders deren Bundesvorsitzender
hervor, die Kanzlerin zu einem "klaren Reformkurs"
auffordernd. Dem obersten Jungunionisten geht es bei der Privatisierung
von Lebensrisiken nicht schnell genug zu, und deshalb findet
er viel Lob in der "wirtschaftsnahen" Presse: "Wollen
wir umverteilen bis zum Umfallen?" fragt die "Welt
am Sonntag" in ihrem Leitartikel. Aber gemach - das Wahlvolk
muß erst noch einmal bei Laune gehalten werden. Der
Abbau der "explodierten Staatsschulden" sei die
Hauptaufgabe der neuen Bundesregierung, erklärt uns die
"Frankfurter Allgemeine", und zu diesem Zweck seien
"Einschnitte in Leistungsgesetze" unvermeidlich,
allerdings müsse die Politik die "Kürzungsliste"
ein wenig später vorlegen, denn: "Die Landtagswahl
in Nordrhein-Westfalen ist erst im Mai."
Da
sage noch einer, die Politik habe, was Effizienz angeht, nicht
dazugelernt - Grausamkeiten verübt die Bundesregierung
zum richtigen Zeitpunkt, nachdem die Stimmen im Land des "Arbeiterführers"
eingesammelt sind. Bis dahin wird sogar Hartz IV-Empfängern
etwas Honig um den Bart geschmiert, und zum Ausgleich darf
die Junge Union sich Beifall bei den Marktradikalen holen.


Gesammelte
Glossen 2006-2008
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