| |
 |
Glosse
vom 27. Januar 2009:
Münteleien
Von
M.W.
Der
gegenwärtige Parteivorsitzende der SPD tritt gern mit
Politsprüchen auf, denen man nicht gerade ein Übermaß
an Differenzierung nachsagen kann. Das wird von der Presse
als "sauerländisch-kernig" hervorgehoben. Jetzt
hat Franz Müntefering, wie dem "Westfälischen
Volksblatt" zu entnehmen ist, "die Linkspartei scharf
angegriffen". Seine Anschuldigungen: Diese Partei wolle
"nationale soziale Politik", sie sei "ökonomisch
ignorant, sozial romantisch, ablehnend gegenüber Europa"
und stelle "alle Bundeswehrsoldaten, die wir in die Welt
entsenden, als aggressive Krieger dar".
In
Vorwahlkampfzeiten hauen Parteisprecher auf die Pauke, und
selbstverständlich gönnt die eine Partei der anderen
keine Wahlerfolge - das sind die Gewohnheiten im Parteienbetrieb.
Aber Müntefering treibt es in diesem Fall dann doch ein
bißchen zu arg. Wie anders soll Sozialpolitik gemacht
werden als im nach wie vor bestehenden nationalstaatlichen
Rahmen? Ist, wer "Rettungsschirme" nicht nur für
Banken und Großunternehmen fordert, ein hoffnungsloser
Romantiker? Ist ein "Europafeind", wer die herrschende
Politik der Europäischen Union kritisiert? Würden
Münteferings Vorwürfe stimmen, müßte
er die bisherigen Programme seiner eigenen Partei gleich mitverdammen.
Und daß Kritiker des Militäreinsatzes in Afghanistan
damit die Bundeswehrsoldaten zu "aggressiven Kriegern"
erklären, ist schlicht gelogen. Merkwürdigerweise
schloß der SPD-Vorsitzende laut besagtem Bericht eine
Kooperation mit der Linkspartei nur auf der Bundesebene, nicht
aber in den Ländern aus. Da sind ihm, wenn's nicht anders
geht, die "Nationalisten", "Europafeinde"
und "Sozialromantiker" offenbar als Helfer in den
Regierungssattel willkommen.
"Sauerlandlogik"
und sauerländische Neigung zu "Immer-feste-druff"-Politgerede?
Da täte man diesen Landsleuten Unrecht. Münte, wie
er sich hier präsentiert, ist nicht der ideelle Gesamtsauerländer.


Gesammelte
Glossen 2006-2008
|
|