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Glosse
vom 31. Dezember 2008:
Deutsche Zustände:
Bescheidenheit
Von
P.S.
Angesichts
der Finanz- und Wirtschaftskrise empfahl Bundespräsident
Horst Köhler den Bürgerinnen und Bürgern soziale
Tugenden: "Anstand, Maß, Bescheidenheit".
Soweit die Weihnachtsbotschaft des Staatsoberhaupts, adressiert
an die gesamte Bevölkerung.
Was
Bescheidenheit angeht, sind allerdings die Voraussetzungen,
dieser Empfehlung nachzukommen, höchst unterschiedlich.
Da sind die Arbeitslosen - ca. 3 Millionen laut offizieller
Statistik, mehr als 4 Millionen, wenn man realistischerweise
die "Umschüler" und Ein-Euro-Jobber mitzählt.
Und da sind die etwa 1,4 Millionen "Aufstocker",
Beschäftigte also, bei denen der Lohn nicht zum Leben
reicht und die deshalb auf zusätzliche staatliche "Stütze"
angewiesen sind. Zahlen, bei denen es um die "ErnährerInnen"
geht - bescheiden leben auch die Familienangehörigen
und Kinder, für die sie sorgen müssen. Insgesamt
ist der Anteil der Lohneinkünfte am privaten Einkommen
in der Bundesrepublik massiv zurückgegangen, der Anteil
aus Vermögen und Kapitaleinkünften, die sog. Gewinnquote,
ebenso massiv angestiegen. Arm und Reich driften hierzulande
immer weiter auseinander. Soweit die deutschen Zustände
- und da wüßte man gern, beim Bundespräsidenten
um Präzisierung nachsuchend, wer nun und mit welchem
Effekt Bescheidenheit üben soll.


Gesammelte
Glossen 2006-2008
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