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Glosse
vom 08. Dezember 2008:
Der Fahrstuhleffekt
Von M.W.
Die Sozialdemokratie, einst wollte sie eine "neue Gesellschaft"
erkämpfen, ist im Laufe ihrer Geschichte bescheidener
geworden; das erfolgreiche politische Handeln ihrer Partei,
so sagen inzwischen die führenden Sozialdemokraten, sei
darauf gerichtet, sozialen Aufstieg zu ermöglichen, also
einen gesellschaftlichen "Fahrstuhleffekt" zu erzeugen.
Immerhin etwas - aber wie viel Raum ist in dem Fahrstuhl,
wenn's nach oben gehen soll? Freilich gibt es gelungene Beispiele
für die Politik des sozialen Aufstiegs. Wolfgang Clement
ist eines (auch wenn er jetzt das SPD-Mitgliedsbuch abgegeben
hat): Vom Mitarbeiter einer sozialdemokratischen Zeitung zum
Ministerpräsidenten in NRW und dann zum Bundes-Superminister,
von dort in die Aufsichtsratselite der deutschen Wirtschaft.
Oder Axel Horstmann: Vom Juso-Anführer in OWL über
ein Landesministeramt in einen Konzernvorstand. Jetzt hat
es auch Harald Schartau geschafft: Vom Gewerkschaftssekretär
zum NRW-Landesminister und Landesvorsitzenden der SPD - und
nun zum Vorstand des Stahlkonzerns Georgsmarienhütte.
Ende des Jahres gibt er sein Landtagsmandat auf und beginnt
seinen neuen Job.
Leider bewegt sich so ein Fahrstuhl auch abwärts, und
offenbar ist im sozialen Gebäude der Gesellschaft in
dieser Fahrtrichtung viel mehr Platz. Das muß aber Menschen
wie Clement, Horstmann und Schartau nicht beunruhigen, sie
können sich schließlich nicht um alles kümmern.
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* *
p.s.
Auch Rainer Wend MdB, prominenter OWL-Sozialdemokrat, steigt
jetzt auf: Er legt im Frühjahr sein Bundestagsmandat
nieder und geht in den Vorstand der Deutschen Post. Der "Neuen
Westfälischen" sagte er, dort sei für ihn "deutlich
mehr zu verdienen". Im Bundestag ist er (noch) wirtschaftspolitischer
Sprecher der SPD-Fraktion. Auch er hat sich hervorgetan als
Befürworter der Agenda- und Hartz-Reformen. Unter dem
"Fahrstuhl"-Aspekt dürfte es beruhigend sein,
daß sozialdemokratische Führungspersonen nicht
mehr allzu zahlreich sind - es könnte sonst eng werden
in aufnahmewilligen unternehmerischen Chefetagen.


Gesammelte
Glossen 2006-2008
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