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Glosse
vom 27. September 2008:
Der Ami war's
Von AKL
Ungewöhnlich starke Worte waren im Deutschen Bundestag
zu hören - über Wirtschaftsmenschen, die "von
der Gier getrieben" seien, über das böse "Rennen
nach Rendite", über ein "unverantwortlich überhöhtes
laissez-faire-Prinzip" und ähnlich schlimme Dinge
mehr. Das alles hat sich, wenn man dem Bundesfinanzminister
glaubt, in einem anderen Land abgespielt, aber es werde wahrscheinlich
Unglück über das unschuldige Deutschland bringen,
Wachstumsschwund, Arbeitslosigkeit. Aberglaube sei es, auf
den ungehemmten Markt zu vertrauen, nun müsse Regulierung
her im internationalen Finanzsystem. Aber hatte nicht genau
dies seinerzeit Oskar Lafontaine gefordert, als sozialdemokratischer
Bundesfinanzminister? Und war er nicht eben deshalb von seiner
eigenen Partei aus dem Amt gemobbt worden - weil die Magnaten
der Finanzwelt solche Reden übelnahmen und Gerhard Schröder
gerade dabei war, die Bundesrepublik für die spekulative
Kapitalverwertung weit zu öffnen? Vom Kurzgedächtnis
der Sozialdemokratie abgesehen - an der Jagd nach dem Riesenprofit
im globalen Finanzdschungel waren beileibe nicht nur US-amerikanische
Banker und Manager beteiligt. Und das Geld, das da virtuell
hin- und hergeschoben wurde, hat sich nicht in Luft aufgelöst,
es ist in die Taschen der Gewinner des Spiels geflossen, auch
der deutschen. Aber darüber konnte oder wollte Peer Steinbrück
nicht sprechen. Nach diesem Auftritt im Bundestag zeigte sich
der CDU-Haushaltsexperte Steffen Kampeter MdB etwas unzufrieden:
Bei dem Koalitionskollegen im Ministeramt seien "antiamerikanische
und antikapitalistische Untertöne" zu hören
gewesen. Was den zweiten Vorwurf angeht, so hat Kampeter nichts
verstanden. Wer über die Grundübel der kapitalistischen
Ökonomie schweigen, wer von diesen ablenken will, dem
liegt es nahe, "Haltet den Dieb" zu rufen und in
die Ferne zu zeigen. Jetzt in Richtung USA.


Gesammelte
Glossen 2006-2008
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