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Glosse vom 28. Juli 2008:

Glos als Entdecker

Von AKL

Im Medienrummel um den US-Präsidentschaftskandidaten Obama ist ein Ereignis zu wenig beachtet worden, an dem sich weltpolitische Realitäten erkennen lassen:

Im Hochsicherheitsverfahren hat der deutsche Bundeswirtschaftsminister Besuch im Irak gemacht, ziemlich hastig beim Aufenthalt dort. Immerhin war Zeit genug, um eine Entdeckung zu machen, die Michael Glos denn auch freudig erregt über die Springer-Presse der Öffentlichkeit mitteilte: Im Irak gibt es riesige Ölvorräte! Andere Wirtschaftspolitiker wußten das allerdings schon. Bereits vor 1914, dann bei der Aufteilung von Beute nach dem Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg. Auf schmerzliche Weise wurde der externe Blick auf diese Vorräte geschärft, als die Iraker sie in eigene Verfügung nahmen, und so kam es zu den Kriegen gegen den "moslemischen Diktator". Spitzenleute der US-amerikanischen Ölindustrie entwarfen das politische Design für den militärischen Zugriff und betreuten jenen Vorgang, den die Politologen so nett "Regimechange" nennen. Der erwies sich als desolat, und auch die US-Amerikaner selbst leiden unter seinen Kosten. Aber es gibt Gewinner. Neben den Unternehmen, die Waffen herstellen oder Dienstleistungen bei Besetzung und Besatzung verkaufen, befinden sich auf der Profitseite die altbekannten Konzerne: Exxon Mobil, Shell, BP, und einige andere; das irakische Ölministerium unter US-amerikanischer Aufsicht hat ihnen die zeitweilig verlorenen Rechte am Ölgeschäft wieder zuerkannt. Insofern war der Krieg gegen den propagandistisch zum "Weltfeind" hochstilisierten Saddam Hussein erfolgreich. Und der deutsche Bundeswirtschaftsminister kam, was die Verteilung der Beute angeht, reichlich spät.

Aber zu tun gibt es demnächst für die Deutschen: Für den Krieg in Afghanistan braucht die US-Regierung mehr militärische Beteiligung der Bundesrepublik. Das ist auch ein Herzenswunsch des Präsidentschaftsbewerbers Barack Obama, von dem hierzulande so manche Politiker und Publizisten das Bild eines Friedensstars ausmalen. Obama hat sich von geopolitischen Experten beraten lassen: Die USA brauchen die Kontrolle über Afghanistan als Schlüsselland für machtpolitische Interventionen im Mittleren Osten. Auch dabei geht es um den Zugriff auf Energievorräte, und das "Große Spiel" um dieses strategische Terrain war längst in Gang, bevor Osama-"Fundamentalisten" auftraten. Die sind, imperialismusgeschichtlich gesehen, nicht mehr als (mitunter unbotmäßige) Statisten. Und so könnte unser Bundeswirtschaftsminister, wenn er sich dafür interessieren würde, im Orient noch so manches entdecken - nicht nur Öl, auch Ölpolitik. Mitsamt ihren blutigen Spuren.


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