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Veranstaltung
des Linken Forums
Paderborn
"Confikt
im Campus"
Hochschul-"Freiheit"? Für wen - und wozu? |
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Diskussion
mit
Dr.
Wolfgang Lieb, Köln

Dienstag, 19. Januar 2010
um 20:00 Uhr

Kulturwerkstatt,
Cafeteria
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Wolfgang
Lieb:
Dr. Wolfgang Lieb war bis zum Jahr 2000 Staatssekretär
im Wissenschaftsministerium NRW, also noch unter der alten
rotgrünen Landesregierung. Er gilt als hochkompetenter
Kritiker der herrschenden Wissenschafts- und Bildungspolitik.
Er ist Mitherausgeber der Netzzeitung www.nachdenkseiten.de

 
Zum Thema:
Die Hochschul-"Reform" in der Bundesrepublik erweist
sich alltäglich als Desaster. In NRW macht das Pinkwartsche
Hochschul-Freiheits-Gesetz, maßgeblich von der Denkfabrik
Bertelsmann geprägt, seinem Namen alles andere als Ehre.
- Wohin führt der Versuch, wissenschaftliche Ausbildung
unternehmerisch zu führen? Was bedeutet es, wenn Bildung
zur Ware wird? Darüber spricht einer, der lange Jahre
als Staatssekretär selbst im Ministerium gesessen hat:
Dr. Wolfgang Lieb.

 
Presseecho:
vom 21.01.2010:
Hochschulen unter wirtschaftlicher Kommandogewalt
Dr.
Wolfgang Lieb referierte beim Linken Forum zum "Hochschulfreiheitsgesetz"
(LiFo).
Die deutschen Universitäten - auf dem Weg zu Hochschulen,
die wie Unternehmen ihre "Produkte" und "Waren"
auf dem Markt an kaufkräftige Nachfrager absetzen? Studierende
als "Kunden", die für die Ware Bildung zur
Kasse gebeten werden? Professoren als Manager, die ihre Lehrangebote
nach betriebswirtschaftlichen Kriterien von "Effizienz"
und schneller Marktverwertung zurechtstutzen? - Dr. Wolfgang
Lieb, langjähriger Staatssekretär im Wissenschaftsministerium
NRW, referierte beim Linken Forum Paderborn zum "Hochschulfreiheitsgesetz".
"Freiheit
für wen"? laute, so Lieb, die entscheidende Frage.
Der im Gesetzesnamen enthaltene Freiheitsbegriff meine die
Freiheit des Wettbewerbs, nicht etwa Freiheitsgewinne für
Forschung und Lehre. "Dem Glaubensbekenntnis des Markt-
und Wettbewerbsliberalismus zufolge sollen der Staat, die
Politik oder Selbstverwaltungsgremien aus dem Wettbewerbsgeschehen
möglichst herausgehalten werden", fasste Lieb die
Zielrichtung des von NRW-"Innovationsminister" Pinkwart
(FDP) eingebrachten und verabschiedeten Hochschulgesetzes
zusammen. Die unternehmerische Hochschule sei der Form nach
der Aktiengesellschaft nachgebildet. Der neu geschaffene "Hochschulrat",
besetzt zu mindestens einem Drittel mit Vertretern aus der
Groß- und Finanzwirtschaft, werde dem Hochschulmanagement
mit einer nie gekannten Fachaufsicht an die Seite gestellt.
"Manager erobern Kontrolle an den Unis" titelte
entsprechend das wirtschaftsnahe "Handelsblatt".
Wolfgang
Lieb sprach von einem "Paradigmenwechsel" in der
Hochschulpolitik. Die vormals staatlich verantwortete, sich
selbst verwaltende Hochschule werde nun den anonymen Gesetzen
des Wettbewerbs unterstellt. "Der Verzicht auf Freiheit
durch Unterwerfung auf äußere Wettbewerbszwänge
und unter die Kommandogewalt eines autokratisch agierenden
Hochschulrates - das ist die neue Freiheit der Hochschulen".
Die
Hochschule als Pseudounternehmen sei nicht von ungefähr
gekommen. Der wirkungsmächtigste Motor war und ist die
Bertelsmann Stiftung und das überwiegend von Bertelsmann
finanzierte Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Wolfgang
Lieb: "Das nordrhein-westfälische Hochschul-"Freiheits"-Gesetz
wurde am Schreibtisch des CHE entworfen und bis zu seiner
Umsetzung in die Hochschulen hinein vom CHE begleitet."
Mittels vom CHE erstellter "Hochschul-Rankings"
werde ein massiver Konkurrenz- und Wettbewerbsdruck erwirkt.
- Mit welcher Konsequenz? "Die Spreu trennt sich vom
Weizen, wenige hoch geförderte "Elite"-Universitäten
werden einem Heer von "Massenuniversitäten"
mit verschulten Bachelor-Studiengängen gegenüberstehen."
Damit sei die "Amerikanisierung" der Hochschulausbildung
vollzogen, ein Umbruch, der allerdings auch in den meisten
europäischen Ländern zu verzeichnen sei.
Und
wer nach Alternativen zu dieser Hochschul-Misere sucht? Auf
die Frage der Moderatorin Ursula Wesseler, welchen Studienort
sie ihren Kindern heute empfehlen solle, antwortete Wolfgang
Lieb: "Da kann man die skandinavischen Länder nennen,
insbesondere Finnland, allerdings ist dort die sprachliche
Barriere recht hoch."
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