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Veranstaltung des Linken Forums Paderborn

Schweinerei mit der "Schweinegrippe"?
Woran krankt das Gesundheitssystem?
 


Diskussion mit
Nadja Rakowitz, Maintal

Dienstag, 17. November 2009
um 20:00 Uhr


Kulturwerkstatt,
Cafeteria
 

Zum Thema:

Gesundheit und Krankheit werden zur Ware, Medizin wird Geschäft, unter dem Druck der Rentabilität leidet eine bedarfsgerechte gesundheitliche Versorgung, stöhnen auch die im Gesundheitswesen Beschäftigten. Eine "Gesundheitsreform" jagt die andere. Steht der Profit im Vordergrund, gerät der Patient in den Hintergrund.

Ist das alles "Sachzwang"? Ist mit der Schweinegrippe nur ein neues Geschäftsfeld aufgetan worden? Und was bedeutet es, wenn für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen verschiedene Präparate massengeimpft werden? Einen kritischen Bericht dazu gibt Nadja Rakowitz (Maintal)


Nadja Rakowtiz

Nadja Rakowitz ist Medizinsoziologin und für den Verband demokratischer Ärztinnen und Ärzte tätig; Redakteurin der Zeitung "express".


Presseecho:

vom 18.11.2009:

Pandemie oder Profitgier?

Nadja Rakowitz referierte beim Linken Forum zur Gesundheitspolitik

Das leidige Thema "Schweinegrippe" - die Verunsicherung ist nach wie vor groß: Wird Panikmache aus Profitgier betrieben? Oder besteht die Gefahr einer echten Pandemie, die eine Impfung angeraten sein lässt? Nadja Rakowitz, Medizinsoziologin und für den Verband demokratischer Ärztinnen und Ärzte tätig, erläuterte beim Linken Forum Paderborn die Interessenverflechtungen im Gesundheitswesen.

"Es kann ja sein, dass es sich bei dem A / H1N1 - Virus um eine weit reichende Gefahr für die Gesundheit handelt, nur: definitiv wissen kann man das nicht", betonte Rakowitz. So seien von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Kriterien für eine Pandemie im Zuge der Ausbreitung der neuen Grippe verändert worden - zum milliardenschweren Gewinnnutzen der Pharmaindustrie! Bis heute, so Rakowitz, gebe es keine belastbaren Zahlen über tatsächlich an der Schweinegrippe Erkrankte, da sie nicht flächendeckend erfasst würden. Während sich die Ärzteschaft eher impfkritisch zeige, ließen die Pharmaindustrie und ihr nahe stehende Lobbyisten aus der Politik nichts unversucht, um das Ansteckungsrisiko und den Krankheitsverlauf in möglichst düsteren Farben zu zeichnen. Rakowitz' Fazit: "Risiko und Nutzen einer Impfung muss jeder für sich abwägen, eine deutliche Skepsis ob der Wirkung bleibt, weil es an Informationen und Transparenz mangelt."

Rakowitz spannte in ihrem Referat den Bogen weiter in Richtung auf den Zustand des Gesundheitswesens in Deutschland. Hier habe sich die Lastenverteilung bei der Finanzierung - besonders drastisch unter der rot-grünen Bundesregierung - immer weiter zuungunsten der Arbeitnehmer verschoben: "Die rot-grüne Gesundheitsreform war massive Umverteilung von unten nach oben", fortgesetzt von den Nachfolgeregierungen. Rakowitz: "Der Arbeitgeberanteil an den Gesundheitskosten wurde immer weiter reduziert zulasten der Lohnabhängigen". Die jetzt von der FDP, vertreten durch Gesundheitsminister Phillip Rösler, geplanten Reformen zielten ab auf eine weitere Privatisierung des Versicherungsschutzes: Mehr Wettbewerb, um angeblich die "Effizienz" der Leistungen zu erhöhen, die Koppelung der Versorgungsleistung an die Beitragshöhe, die "individuelle Ausgestaltung" des Versicherungsschutzes mit der Konsequenz, dass gegen eine unerwartet eintretende Krankheit dann kein ausreichender Versicherungsschutz mehr besteht.

Nadja Rakowitz zum Ende ihres Vortrages: Wer Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung gegen Kapitalinteressen aus Industrie und Politik erwirken wolle, werde dies im Konflikt mit den etablierten Parteien erreichen können. Zur Verdeutlichung zitierte sie Karl Marx: "Nach uns die Sintflut! ist der Wahlruf jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation. Das Kapital ist daher rücksichtslos gegen Gesundheit und Lebensdauer des Arbeiters, wo es nicht durch die Gesellschaft zur Rücksicht gezwungen wird." Gutes Zureden werde da wenig helfen.



"La Jornada", mexikanische Tageszeitung

Pandemie der Profitg(e)ier

*Auf der Erde sterben jedes Jahr 2 Mio. Menschen an der Malaria, die ganz einfach durch ein Moskitonetz geschützt werden könnten. Und den Nachrichten ist es keine Zeile wert. Auf der Erde sterben jedes Jahr 2 Mio. Mädchen und Jungen an Durchfallerkrankungen, die mit einer isotonischen Salzlösung im Wert von ca. 25 Cent behandelt werden könnten. Und den Nachrichten ist es keine Zeile wert.

Die Masern, Lungenentzündungen und andere mit relativ preiswerten Impfstoffen heilbare Krankheiten haben jedes Jahr bei fast 10 Mio.Menschen den Tod zur Folge. Und den Nachrichten ist es keine Zeile wert.

Aber als vor einigen Jahren die famose "Vogelgrippe" ausbrach, überfluteten uns die globalen Informationssysteme mit Nachrichten. Mengen an Tinte wurden verbraucht und beängstigende Alarmsignale ausgegeben. Eine Epidemie, die gefährlichste von allen!

Eine Pandemie!

Die Rede von der schrecklichen Krankheit der Hühner ging um den Globus. Und trotz alledem, durch die Vogelgrippe kamen weltweit "nur" 250 Menschen zu Tode. 250 Menschen in zehn Jahren, das sind im Durchschnitt 25 Menschen pro Jahr. Die normale Grippe tötet jährlich weltweit ca. 500.000 Menschen. Eine halbe Million gegen 25!

Einen Moment mal. Warum wird ein solcher Rummel um die Vogelgrippe veranstaltet?

Etwa, weil es hinter diesen Hühnern einen "Hahn" gibt, einen Hahn mit gefährlichen Sporen?

Der transnationale Pharmariese Roche hat von seinem famosen Tamiflu -zig Millionen Dosen alleine in den asiatischen Ländern verkauft. Obgleich Tamiflu von zweifelhafter Wirksamkeit ist, hat die britische Regierung 14 Mio. Dosen zur Vorsorge für die Bevölkerung gekauft. Die Vogelgrippe hat Roche und Relenza, den beiden Herstellern der antiviralen Produkte, milliardenschwere Gewinne eingespült.

Zuerst mit den Hühnern, jetzt mit den Schweinen. Ja, jetzt beginnt die Hysterie um die Schweinegrippe. Und alle Nachrichtensender der Erde reden nur noch davon. Jetzt redet niemand mehr von der ökonomischen Krise, den sich wie Geschwüre ausbreitenden Kriegen oder den Gefolterten von Guantanamo.

Nur die Schweingrippe, die Grippe der Schweine?

Und ich frage mich ..., wenn es hinter den Hühnern einen großen Hahn gab, gibt es hinter den Schweinen ein "großes Schwein"? Was sagt ein Verantwortlicher der Roche dazu?

"Wir sind sehr besorgt um diese Epidemie, soviel Leid ...! Darum werden wir das wundervolle Tamiflu zum Verkauf anbieten." "Und zu welchem Preis verkaufen sie das wunderbare Tamiflu?" "OK, wir haben es gesehen. 50 US $ das Päckchen." "50 US $ für dieses Schächtelchen Tabletten?" "Verstehen Sie doch, meine Dame, die Wunder werden teuer bezahlt." "Das, was ich verstehe, ist, dass diese multinationalen Konzerne einen guten Gewinn mit dem Leid der Menschen machen.

Die nordamerikanische Firma Gilead Sciences hält das Patent für Tamiflu. Der größte Aktionär dieser Firma ist niemand weniger als die verhängnisvolle Person, Donald Rumsfeld, der frühere Verteidigungsminister der US-Administration George W. Bushs, der Urheber des Irak-Krieges. Die Aktionäre von Roche und Relenza reiben sich die Hände, sie sind glücklich über die neuen Millionen-Gewinne mit dem zweifelhaften Tamiflu.

Die wirkliche Pandemie ist die Gier, die enormen Gewinne dieser "Gesundheitssöldner".

Wir sind nicht gegen die zu treffenden Vorbeugemaßnahmen der einzelnen Staaten. Aber wenn die Schweingrippe eine so schreckliche Pandemie ist, wie sie von den Medien angekündigt wurde, wenn die Weltgesundheitsorganisation um diese Krankheit so besorgt ist, warum wird sie dann nicht zum Weltgesundheitsproblem erklärt und die Herstellung von Generika erlaubt, um sie zu bekämpfen? Das Aufheben der Patente von Roche und Relenza und die kostenlose Verteilung von Generika in allen Ländern, die sie benötigen, besonders in den ärmeren, wäre die beste Lösung.

Übermitteln Sie diese Nachricht nach allen Seiten, so wie es mit Impfstoffen gemacht wird, damit alle diese Seite der Realität dieser "Pandemie" erkennen.

 

 
 

Nadja Rakowtiz
 
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