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Veranstaltung
des Linken Forums
Paderborn:
Dienstag, 13. Januar 2009
Widerstand
gegen den Militarismus
Erinnerung an Karl Liebknecht
Am 15. Januar
1919, also vor 90 Jahren, wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht
in Berlin ermordet. Beide waren hervorgetreten durch ihren Widerstand
gegen die wilhelminische Kriegspolitik und als Mitbegründer
der Kommunistischen Partei. Über die Lebenswege von Karl
Liebknecht referiert die Historikerin Annelies Laschitza, Autorin
des neuen Buches "Die Liebknechts. Karl und Sophie - Politik
und Familie" (Aufbau Verlag).
Das Thema hat einen lokalen Bezug: Karl Liebknecht hat vor dem
ersten Weltkrieg als Justizreferendar zeitweise in Paderborn
gelebt - als Roter in der (wie er es genannt hat) "Paderborner
Idylle". Er trank dann gern einen Schoppen im Gartenlokal
Heitheker am Rothoborn.

 
*Prof.
Dr. Annelies Laschitza (Berlin), geb. 1934, Historikerin,
errang weltweite Anerkennung durch die Edition der gesammelten
Briefe und die Mitherausgabe der Werke Rosa Luxemburgs. Sie
war Beraterin des Luxemburg-Films von Margarethe von Trotta.

 
Dokumentation:
Gern trank Karl Liebknecht im Gartenlokal von Wirt
Heitheker, einer Stammkneipe der Referendare und Assessoren
des Kgl. Amtgerichts am Rothoborn, einen Schoppen Wein. "Was
war die Paderborner Idylle doch vergnüglich und gemütlich",
schwärmte er 1902 in einem Brief an Max Baruch, "wenn
man mich auch aus dem Kollegenclub herausgewunken hat - wahrlich
kein Malheur und unvermeidlich! -, ich denke oft mit viel Behagen
und einer Art Sehnsucht, möchte ich beinahe sagen, an dieses
Erdenwinkelchen zurück." (...) In Westfalen sei Karl
eine neue Welt aufgegangen, bemerkte sein Bruder. Er bekam Aufschluss
über den Katholizismus, entdeckte den besonderen Menschenschlag
der westfälischen Bauern sowie den eigentümlichen
Stolz des dortigen Hochadels. Leute, die Karl Liebknecht damals
erlebten, schilderten ihn als sympathischen und fleißigen
Menschen, der auch abends im Schein der Petroleumlampe in seinem
Dienstzimmer über den Akten saß, wenn seine Kollegen
den "Kotten", das Antsgericht, verlassen hatten.
Karl Liebknecht: Referendar in Paderborn 1894/95. Zitat aus
einem Brief von Karl Liebknecht an Max Baruch (Paderborn) aus
dem Jahre 1902. - Der Text entstammt dem Buch von Annelies Laschitza,
Die Liebknechts. Karl und Sophie - Politik und Familie, Berlin
2007 (Aufbau Verlag)
Karl Liebknecht spricht in den Revolutionstagen im Berliner
Tiergarten
Karl Liebknecht als Referendar
Käthe Kollwitz: Gedenkblatt Karl Liebknecht (Holzschnitt)

 
Presseecho:
Neue Westfälische vom 13.01.2009:
Die
Zeit im Paderborner Idyll
Annelies Laschitza erinnert an Karl Liebknecht, der vor 90
Jahren ermordet wurde
Paderborn
(nw/au). Die Domstadt kann eine Reihe berühmter Töchter
und Söhne vorweisen. Dazu viele Persönlichkeiten,
die einen Lebensabschnitt hier verbracht haben. Dass jedoch
selbst der bekannte internationalistische Sozialist und Antimilitarist
Karl Liebknecht Ende des 19. Jahrhunderts in Paderborn gelebt
hat, ist nicht sehr bekannt.
Anlässlich
des 90. Todestages am 15. Januar von Karl Liebknecht und Rosa
Luxemburg erinnert Prof. Dr. Annelies Laschitza (Berlin) in
Paderborn an die Ikone der kommunistischen Arbeiterbewegung.
Die Historikerin und Autorin referiert auf Einladung des Linken
Forums am heutigen Dienstag um 20 Uhr in der Cafeteria der Kulturwerkstatt
über den Lebensweg Liebknechts, der ihn auch an die Pader
führte.
Damals verfasste
der spätere Mitbegründer der Kommunistischen Partei
Deutschlands (1918/19) bereits sozialkritische Gedichte. Zunächst
studierte Karl Liebknecht an der Universität seiner Geburtsstadt
Leipzig sowie später in Berlin Rechtswissenschaften, Nationalökonomie,
Geschichte und Philosophie. Im Anschluss absolvierte der damals
22-Jährige seinen einjährigen Wehrdienst in Berlin.
Im
Herbst 1894 schließlich begann die Referendarzeit Karl
Liebknechts, die in zunächst für einige Monate nach
Arnsberg verschlug. In dieser Kleinstadt im Sauerland sei er
als unruhiger Geist mit einem tiefen Gemüt
vereinsamt, zitiert Annelies Laschitza in ihrem Buch Die
Liebknechts. Karl und Sophie Politik und Familie
(Aufbau Verlag, 2007). In Hamm habe er bei einer Referendarversammlung
den Saal verlassen, als er für die politischen Ansichten
seines Vaters Wilhelm, bedeutender Anführer der SPD, angegriffen
worden sei.
Freundlicher
Empfang dann in der nächsten Station: in Paderborn haben
Freunde des Vaters, die Familie von Dr. med. Max Baruch, den
Justiz-Referendar aufgenommen, schreibt Laschitza. Sie
haben ihm die fremde Stadt zu einer Heimat gemacht, seiner Verbannung
denn das ist es den Stachel genommen, schrieb
Karls Vater Wilhelm Liebknecht dankbar in einem Brief an Dr.
Baruch.
Wie die
Historikerin recherchierte, hat Karl Liebknecht im Gartenlokal
von Wirt Heitheker, Stammkneipe der Referendare des Königlichen
Amtsgerichts am Rothoborn, gern einen Schoppen Wein getrunken.
Was war die Paderborner Idylle doch vergnüglich
und gemütlich, schwärmte Karl Liebknecht 1902
in einem Brief an Max Baruch, als er bereits mit seinem Bruder
Theodor eine Kanzlei an der Spandauer Brücke in Berlin
führte. Er denke oft mit viel Behagen und einer
Art Sehnsucht, möchte ich beinah sagen, an dieses Erdenwinkelchen
zurück.
Baruchs Tochter Paula habe für Karl Liebknecht geschwärmt
und ihn porträtiert, schreibt Annelies Laschitza. Das
Bild soll Paula später Karls Bruder Theodor geschenkt
haben. Der habe berichtet, dass Karl in Westfalen eine
neue Welt aufgegangen sei.
Liebknecht hätte Aufschluss über den Katholizismus
bekommen, den besonderen Menschenschlag der westfälischen
Bauern sowie den eigentümlichen Stolz des
Hochadels entdeckt. Leute, die Karl Liebknecht damals
kennenlernten, beschrieben ihn als sympathisch und fleißig,
schildert die Historikerin. Abends habe er im Schein der Petroleumlampe
noch über den Akten im Gericht gesessen, während
die Kollegen schon lange daheim waren.
Seine Doktorwürde erlangte der spätere Politiker
an der Universität Würzburg ab, seine Dissertation
(Kompensationsvollzug und Compensationsvorbringen nach
gemeinem Rechte) erschien laut Wikipedia in Paderborn
(Heydeck).
©
2009 Neue Westfälische, Dienstag 13. Januar 2009

 
Neue Westfälische vom 16.01.2009:
Friedensaktivist
und Sozialist
Paderborn
(dig). Der Kommunistenführer Karl Liebknecht, der gemeinsam
mit Rosa Luxemburg aktiven Widerstand gegen die wilhelminische
Kriegspolitik übte, war 1894 als Justizreferendar in
Paderborn aktiv und verfügte über einen zeitweiligen
Wohnsitz in der Paderstadt. Über diese Zeit in der gemütlichen
Paderborner Idylle und sein Changieren zwischen familiärer
und politischer Bühne informiert das von Prof. Dr. Annelies
Laschitza verfasste Buch Die Liebknechts. Karl und Sophie
Politik und Familie, das von der Autorin in der
Kulturwerkstatt vorstellt wurde. Auf Einladung des Linken
Forum erinnerte die Historikerin anlässlich des 90. Todestages
Liebknechts an den Privatmann, Sozialisten, Friedensaktivisten
und Juristen. In weiser Voraussicht verurteilte Liebknecht
den expandierenden Militarismus als Würgeengel
der modernen Kultur und formulierte mit jener Aussage
ein Statement, das bis heute nichts an Brisanz verloren hat.

Gruppenbild mit Dame: Referendarin Annelies Laschitza
im Kreise ihrer Gastgeber Dr. Achim Landwehr (l.) und Prof.
Dr. Arno Klönne vom Linken Forum. FOTO: DIETMAR GRÖBING
©
2009 Neue Westfälische, Freitag 16. Januar 2009
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