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Veranstaltung des Linken Forums Paderborn,

Beute der Manager-Meute? -
Alternativen zu einem Europa der Konzerne
 

Vortrag und Diskussion mit:

Sahra Wagenknecht,
MdEP, Berlin

Donnerstag,
20. November 2008

19:00 Uhr ( ! )


Kulturwerkstatt, Studio ( ! ) -
1. Etage,
Bahnhofstr. 64 in Paderborn

Moderation:
Reinhard Borgmeier
 
Zum Thema:

Es ist kein Zufall, dass in der heutigen EU einerseits die Gewinne der Konzerne und die privaten Vermögenseinkommen explodieren und auf der anderen Seite Armut, soziale Ausgrenzung und prekäre Beschäftigung rapide anwachsen. Die Politik der EU wird bestimmt von wenigen transnationalen Konzernen und einer einflussreichen Geldelite. Was Wunder, dass angesichts einer Politik des Neoliberalismus und der militärischen Aufrüstung, die Euro-Skepsis zunimmt.

Was steckt genau hinter dem sogenannten Lissabon-Vertrag? Wie setzen vor allem die deutschen Wirtschaftsvertreter in Brüssel ihre Interessen durch? Was sind die politischen Alternativen? Darüber diskutieren wir mit einer der bekanntesten Politikerin auf der Linken, Sahra Wagenknecht.


Sahra Wagenknecht:

Sahra Wagenknecht, Jahrgang 1969, Studium der Philosophie und Neueren Deutschen Literatur in Jena, Berlin und Groningen; Abschluss mit einer Arbeit über Hegel und Marx; 1989 Eintritt in die SED; seit 1991 Mitglied der Leitung der Kommunistischen Plattform; 2004 Wahl in das Europaparlament; seit Juni 2007 Mitglied des Parteivorstands DIE LINKE. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, zuletzt "Armut und Reichtum heute", verlag: edition Ost.


Presseecho:

Neue Westfälische vom 22.11.2008:

Drei Lügen und der Widerstand

Sahra Wagenknecht beim Linken Forum zu Gast


VON DOMINIK FLINKERT

Paderborn. „Es gibt in der Bundesrepublik kaum eine Person, die die Gemüter so erhitzt wie sie.“ Moderator Reinhard Borgmeier versprach den Zuhörern am Donnerstag einen aufregenden Abend mit Sahra Wagenknecht, die beim Linken Forum zu Gast war.

Die Europapolitikerin referierte in der Kulturwerkstatt vor rund 120 Teilnehmern über das Thema „Beute der Manager-Meute? Alternativen zu einem Europa der Konzerne“. Wagenknecht klärte in ihrem Vortrag „die drei wichtigsten Lügen der gegenwärtigen Politik auf“. Zum einen gebe es die „Lüge vom Sparzwang“. Volkswirtschaftlich sei es in jedem Fall möglich, das Geld gleichmäßig zu verteilen. Doch Steuererleichterungen habe es immer nur für die Reichsten gegeben. „Die Steuerpolitik läuft darauf hinaus, dass Rentner und Hartz IV-Empfänger durch die Mehrwertsteuererhöhung aus den vergangenen Jahren die Renditen der Unternehmer noch weiter steigern“. Das sei ihrer Meinung nach einfach nur „perfide“.

Die zweite Lüge bezeichnete sie als „Lohndumping-Lüge“. Nach dieser Auffassung würden niedrige Löhne die Arbeitslosigkeit senken. Dem sei aber überhaupt nicht so. „Unternehmen haben ganz gezielt riesige Gewinne gemacht und gleichzeitig Stellen gestrichen“, stellte die Parlamentarierin ihre Sicht der Dinge dar.

Die dritte Lüge nannte sie „Privatisierungs-Lüge“. Die gängige Auffassung, private Hände würden besser wirtschaften als öffentliche, sei falsch. Denn: „Die Privatisierung der Post wird ja jetzt dadurch deutlich, dass man viel weiter zum nächsten Briefkasten laufen muss.“ Der Privatisierungstrend gehe nun schon so weit, dass auch die Gesundheit kommerzialisiert und der Patient zum Kunde werde.

Am Ende ihres Vortrags resümierte sie, es habe noch nie zuvor eine Gesellschaft gegeben, in der es so wenig Gewinner und so viele Verlierer gibt. „Wir brauchen Gegenwehr und Widerstand“, machte sie unmissvertändlich klar. Streik sei dabei ein „geeignetes Druckmittel“.

Im Anschluss ihres Referates konnten die Teilnehmer der Politikerin noch Fragen stellen, bevor sie sich zum nächsten Termin in Bielefeld aufmachte.

© 2008 Neue Westfälische, Samstag 22. November 2008


LiFo vom 23.11.2008:

"Widerstand
von unten nötig"

Sarah Wagenknecht beim Linken Forum über "neoliberale Lügen"

Ungezügelte Märkte, Deregulierung, Privatisierungen: So lauteten seit Jahren die Heilsbotschaften aus Wirtschaft und Politik. Die weltweite Krise im Finanzmarkt hat all diese Gewissheiten erschüttert. "Der Kernbestand der neoliberalen Ideologie ist am Ende", wurde jüngst Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann im "Handelsblatt" zitiert. Sarah Wagenknecht, Europaabgeordnete der Linkspartei und zu Gast beim Linken Forum Paderborn, räumte mit immer noch wirksamen "neoliberalen Lügen" auf. Ihre Argumente:

"Sparzwang-Lüge": Mit Hinweis auf die globalisierten Märkte und den internationalen Wettbewerb sei immer wieder ein rigider Sparkurs der öffentlichen Hand angemahnt worden. In Wahrheit, so Wagenknecht, habe "eine beispiellose Umverteilungspolitik zulasten der materiell schlechter gestellten Bevölkerungsgruppen trotz stetig wachsenden Volkseinkommens" stattgefunden.

"Lohndumping-Lüge": Einkommensverzicht würde neue Arbeitsplätze schaffen, war das Credo der rot-grünen Agendapolitik. Tatsache sei aber, dass weit mehr als 3 Millionen Menschen staatliche Transferleitungen beziehen, ohne offiziell als erwerbslos zu gelten. "Lohndumping schafft nicht neue Arbeit, sondern bewirkt die Verlagerung von tariflicher Arbeit in prekäre Beschäftigungsverhältnisse."

"Privatisierungs-Lüge": Immer wieder wurde die Behauptung aufgestellt, dass Privatunternehmen günstiger und effizienter arbeiten würden als die öffentliche Hand. Die Realität sieht indes anders aus: Schlechterer Service, Stellenabbau, Dumpinglöhne, gestiegene Verbraucherpreise. Wagenknecht zeigte sich überzeugt, dass "privates Kapital in elementaren Bereichen der Daseinsvorsorge nichts zu suchen" habe.

Da sich trotz veränderter Rhetorik kein wirklicher Politikwechsel abzeichne, sei Widerstand von unten dringend geboten, lautete Wagenknechts eindringlicher Appell. In der anschließenden Diskussion beim Linken Forum erhielt die Referentin dafür große Zustimmung.
 

 
  Beute der Manager-Meute?
 
 
 
  Vortrag und Diskussion mit:
Sahra Wagenknecht
Moderator:
Reinhard Borgmeier

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