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Veranstaltung
des Linken Forums
Paderborn:
| 1968
- »Wir werden die Welt verändern!« |
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Vortrag
und Diskussion mit:
Ellen Diederich, Oberhausen
Dienstag, 06. Mai 2008
20:00 Uhr
Kulturwerkstatt, Cafeteria,
Bahnhofstr. 64 in Paderborn
Moderation: Jonas Wagener, ASTA-Vorsitzender Uni-Paderborn
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Manuskript zum Vortrag (PDF)
Zum Thema:
Achtundsechzig, das ist das
lustvolle Zähnefletschen des Gespenstes der Freiheit, der
nachhaltige Schrecken für jede Art von Autoritäten
und Bürokraten.
Achtundsechzig bedeutet: Steht auf und nehmt eure
Geschicke selbst in die Hand. "Wir in einer autoritären
Gesellschaft aufgewachsenen Menschen haben nur eine Chance,
unsere autoritäre Charakterstruktur aufzubrechen, wenn
wir es lernen, uns in dieser Gesellschaft zu bewegen als Menschen,
denen diese Gesellschaft gehört, denen sie nur verweigert
wird durch die bestehenden Macht- und Herrschaftsstrukturen
des Systems". (Rudi Dutschke)
Achtundsechzig, das sind die Streiks bei Fiat, das radikale
Infragestellen des Kapitalismus, ist der Pariser Mai, das Attentat
auf Rudi Dutschke, sind die Aktionen gegen den Vietnam Krieg,
gegen die Notstandsgesetze, das ist in Prag der Aufstand für
einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz.
Achtundsechzig, das ist die Gründung der antiautoritären
Kinderläden, ist das Aufdecken zerstörerischer Strukturen
der Kleinfamilie, Ausprobieren von anderen Formen des Zusammenlebens,
das Abstreifen von gelernten Tabus und Normen in der Sexualität,
ist Aufbruch der Frauenbewegung.
Achtundsechzig, das ist: Musik von Frank Zappa über
die Stones bis Jimi Hendrix, ausgeflippte Mode und Lebenslust,
ist das Ausprobieren von Drogen: "Seit ich Rainer Barzel
gesehen habe, als ich stoned war, kann mir Buster Keaton nichts
mehr bieten".
´68 ist für mich bis heute Verpflichtung. Ich habe
nicht den Marsch durch die Institutionen angetreten, Karriere
gemacht und den Zielen von 68 wehmütig hinterher geblickt.
(Ellen Diederich)
Was
ist durch ´68 nachhaltig verändert worden? Welche
Fehler haben wir gemacht?
Welche Fragen, welche Ziele sind verloren gegangen? Was ist
von ´68 gültig?

 
Erich
Fried für Rudi Dutschke:
"Aber
ich hätte von dir schon genug gelernt
Wenn ich nichts von dir gelernt hätte außer das
eine:
Daß Freiheit Güte und Liebe sein muß und
daß Güte und Liebe
Freiheit sein müssen - und wirkliche Güte und Liebe
Nicht nur ein Begriff von Güte und Liebe
Denn sonst bleibt auch die Freiheit nur ein Begriff."

 
Presseecho:
vom 12.05.2008:
"1968
ist für mich bis heute Verpflichtung"
Ellen
Diederich beim Linken Forum Paderborn
(lifo)
Im Erinnerungsjahr 2008 wird manches Sinnige und vieles Unsinnige
über "1968" geredet, geschrieben, gesendet.
Mit dem zeitlichen Fernerrücken des Datums verblasst
allmählich die lebendige Erfahrung der unmittelbar an
den Geschehnissen Beteiligten. "Nichts in der heutigen
Welt erscheint mir bedrohlicher als der Verlust der gesellschaftlichen
Erinnerungsfähigkeit" schrieb der Sozialphilosoph
Oskar Negt. Die Erinnerungen der Zeitzeugin und "68erin"
Ellen Diederich, berichtet beim Linken Forum Paderborn, waren
Rückschau und Anspruch an die Gegenwart zugleich, und
vor allem eines: engagiertes Plädoyer gegen das Vergessen.
Außerparlamentarische
Opposition, Ermordung von Benno Ohnesorg und Attentat auf
Rudi Dutschke, Kommune 1, Aufbegehren gegen den "Muff
von 1000 Jahren", Pariser Mai, Prager Frühling,
Woodstock, Notstandsgesetze, Vietnam-Krieg, Kinderläden,
neue Frauenbewegung - was "68" bewegte, hat längst
Eingang in die Geschichtsbücher gefunden. Aber ist "1968"
nur Geschichte? Ellen Diederich stellte in ihrem Referat immer
wieder heraus, wie die damaligen Konfliktlagen bis in die
Gegenwart hinein wirken.
Beispiel
Vietnam: Der Krieg, der von 1964-1975 andauerte, habe 3 Millionen
Tote gefordert, das von den USA zum Einsatz gebrachte hochgiftige
Entlaubungsmittel "Agent Orange" beschädigte
"die Gene, auch die der nachfolgenden Generationen".
In Vietnam lebe heute, so Diederich, die "dritte Generation
von Kindern mit Erbschäden". Und: "Vietnam
ist zu einem der schlimmsten Billiglohnländer im Zusammenhang
mit der Globalisierung geworden."
Beispiel
Befreiungsbewegung der Schwarzen in den USA: "Die Lage
ist noch viel dramatischer geworden", wusste Ellen Diederich.
"Noch heute sitzen ehemalige Black Panthers, wie Mumia
Abu Jamal im Gefängnis für Taten ein, die ihnen
nicht nachgewiesen werden konnten. In den letzten zehn Jahren
ist in den Vereinigten Staaten die Zahl der Gefangenen von
200000 auf zwei Millionen angewachsen, der größte
Teil Afroamerikaner oder Menschen lateinamerikanischer Herkunft."
Beispiel
Universität: ´68 sei es auch um die "Demokratisierung
der Hochschule" gegangen. Diederich erinnerte sich an
wichtige damalige Zielsetzungen: "Die StudentInnen begannen
in der Hochschule, gegen restriktive Studienbedingungen zu
protestieren." - Und heute? Mit dem so genannten neoliberalen
"Hochschulfreiheitsgesetz" seien Mitbestimmungsrechte
abgebaut, Studienbedingungen verschärft, Zugangshürden
durch Studiengebühren errichtet worden. Die Professorenschaft
erweise sich als weitgehend unpolitisch. "Studentischer
Protest, wo er sich noch regt, läuft zumeist ins Leere,"
ergänzte Moderator Jonas Wagener, ASTA-Vorsitzender der
Universität Paderborn.
"1968
ist für mich bis heute Verpflichtung", sagte Ellen
Diederich. "Ich habe nicht den Marsch durch die Institutionen
angetreten, auch keine Karriere gemacht und den Zielen von
68 wehmütig hinterher geblickt." Der wendige Weg
der "Fischers und Cohn-Bendits" sei ihre Sache nie
gewesen. Und noch einmal zitierte sie Oskar Negt: "Zornig
bin ich, weil ich in der intellektuellen Landschaft der deutschen
Gesellschaft, die sich wieder in ihren normalen geschichtlichen
Rhythmen bewegt, immer mehr öffentliche Auftritte von
Personen wahrnehme, die sich selbst als 68er bezeichnen, um
mit glaubwürdiger Geste alles abwerten zu können,
wofür sie sich einst haben schlagen lassen. Das lässt
einen Schluss zu: Der Opportunismus ist die eigentliche Geisteskrankheit
der Intellektuellen."
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