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Veranstaltung des Linken Forums Paderborn:
Dienstag, 16. Oktober 2007


Vom Kindergarten bis zur Geopolitik

Rezepte aus Gütersloh

Buchvorstellung mit:
Prof. Dr. Arno Klönne
Dr. Werner Biermann

Dienstag, 16. Oktober 2007
20:00 Uhr
Kulturwerkstatt, Cafeteria
Bahnhofstr. 64 in Paderborn

 
"Ist die Bertelsmann-Stiftung noch gemeinnützig?" fragte neulich das "Handelsblatt" und bezog sich auf eine Kritik von Arno Klönne am "Bertelsmann-Prinzip": "Erst wird ein Thema von der Stiftung gesetzt, dann über ein Netzwerk von Politikern, Wissenschaftlern und Interessenvertretern der Wirtschaft zum öffentlichen Thema gemacht, für das schließlich der Konzern die richtigen Lösungen hat, geschäftstüchtig."

Über die steuerbegünstigte Gütersloher "Reformwerkstatt", die zugleich das größte Aktienpaket am kommerziellen Bertelsmann-Unternehmen hält, haben Werner Biermann und Arno Klönne jetzt ein neues Buch vorgelegt. "Agenda Bertelsmann. Ein Konzern stiftet Politik". Die Autoren stellen ihre Analysen vor.


Werner Biermann, Dr. phil., *1948. Privatdozent für Soziologie und International Business Culture an der Universität Paderborn. Arno Klönne, Dr. phil., *1931. Professor für Soziologie und Politikwissenschaft an der Universität Paderborn.

Die Autoren analysieren in ihrer jüngsten Buchveröffentlichung den ökonomisch-politischen Hintergrund der Bertelsmann-Konzepte und deren Zielhorizont: Gesellschaft, geführt wie ein Unternehmen, postdemokratisch.



Presseecho:

Neue Westfälische vom 18.10.2007:

Bertelsmann auf die Finger geschaut

Prof. Arno Klönne und Dr. Werner Biermann stellen kritisches Buch über Gütersloher Medienkonzern vor

VON RALF MISCHER

Paderborn. Er hat viele Gesichter. Mal gestaltet er sich als global agierendes Medienunternehmen, dann als gemeinnützige Stiftung, schließlich kommt der Bertelsmann-Konzern als global agierender Dienstleistungsanbieter für Verwaltungsverschlankung daher. Arno Könne und Werner Biermann stellten in der Paderborner Kulturwerkstatt ihr Buch über die vielen Gesichter des Gütersloher Konzerns vor.

Das „System Bertelsmann“, so konstatierte der Paderborner Soziologieprofessor Arno Klönne „ist weltweit einmalig“. Zwar gebe es in vielen Ländern Medienunternehmen, die über eine beachtliche Medienmacht verfügen, doch ein Medienunternehmen, das gleichzeitig Dienstleistungen anbiete und dann auch noch über die hohe Glaubwürdigkeit einer Stiftung verfüge, sei einmalig. Die Bertelsmann-Tochter Arvato biete eben jene „Outsourcing-Lösungen“ an, welche die Bertelsmann-Stiftung vorher der Politik anempfohlen habe.

Die Bertelsmann-Stiftung sei „die wichtigste Denkfabrik für alle Politikfelder“, ihre Berater seien in der Politik „allgegenwärtig“, sie gelte gemeinhin als „Reformwerkstatt“ der deutschen Politik. „Die Denkmodelle , die dieser Think Tank, das heißt so viel wie ,Denk-Panzer’, entwickelt, haben zum Ziel, dass öffentliche Aufgaben in private Trägerschaft überlassen werden sollen“, sagte Klönne.

Im Idealfall zeichnete sich die private Trägerschaft dann dadurch aus, dass sie von Bertelsmann selbst übernommen wird. Klönne: „So bereits geschehen in East Riding in Yorkshire, England, dort hat Arvato die Verwaltungsarbeit der Gemeinde übernommen“. Durch die Umstellung öffentlicher Güter auf Marktstrukturen, wie sie von der Bertelsmann-Stiftung propagiert werde, schaffe sich Bertelsmann selbst neue ertragreiche Geschäftsfelder.

Mit seinen zahlreichen Medienbeteiligungen, etwa der RTL Group, Gruner+Jahr, Random House und vielen anderen, gelänge es dem Gütersloher Konzern, die von der Stiftung propagierten Politikfelder positiv zu besetzen. So geschehen nach Ansicht des Soziologen etwa bei den jüngsten Schulreformen oder beim Hochschulfreiheitsgesetz.

Klönne: „Wer wird wohl etwas dagegen haben, dass eine Hochschule frei ist“, verdeutlichte Klönne, wie es Bertelsmann gelänge, positiv besetzte Begriffe aufzunehmen und in seine Reformansätze einzubinden.

Sowohl an der Hochschulreform, als auch den neuen Schulgesetzen waren demnach Denker von Bertelsmann beteiligt. Die Bertelsmanntochter CHE Consult etwa habe maßgeblich an der Gestaltung des Hochschulfreiheitsgesetzes mitgearbeitet und sei auch bei der Erstellung diverser Hochschulrankings und Zertifizierungen aktiv gewesen. Auch an den Hartz-Reformen und den jüngsten Veränderungen im Gesundheitssektor sei Bertelsmann beteiligt gewesen.

Anschließend klärte Dr. Werner Biermann, Soziologe an der Paderborner Universität, über das außenpolitische Sendungsbewusstsein der Bertelsmänner auf.

Das Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) in München gehöre ebenfalls der Bertelsmann-Stiftung an und übe einen großen Einfluss auf die deutsche und europäische Außenpolitik aus. Demnach verfolge die Bertelsmann-Doktrin das Ziel, Europa zu einer gemeinsamen Außenpolitik zu verhelfen, die in der Lage sei, „die künftige Weltordnung mit zu gestalten“. Dabei solle Europa einen Konflikt mit den USA in Kauf nehmen. Europa diene in diesem Modell nur als „Mittel zum Zweck der nationalen Interessen“, meinte Biermann.

Detailliert gehen die Paderborner Soziologen in ihrem Buch der Frage nach, was der ökonomisch-politische Hintergrund der Bertelsmann-Konzepte ist und beleuchten deren Zielhorizont: „Eine Gesellschaft, geführt wie ein Unternehmen, postdemokratisch“.

Das Buch von Klönne und Biermann „Agenda Bertelsmann – Ein Konzern stiftet Politik“ ist im PapyRossa- Verlag erschienen und kostet 11,90 Euro.


© 2007 Neue Westfälische, Paderborner Kreiszeitung, Donnerstag 18. Oktober 2007

 

 
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