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Veranstaltung mit Arno Klönne:
Mittwoch, 06. Juni 2007

Vortrag und Diskussion:

Netzwerk der Macht - Bertelsmann



Arno Klönne ( Forum linker Gewerkschafter OWL, Mitte) referierte in der Gütersloher Weberei zum Thema Bertelsmann Stiftung


Presseecho:

"Handelsblatt" vom 11.06.2007:

Ist die Bertelsmann-Stiftung noch gemeinnützig?


Die Bertelsmann-Stiftung gerät immer mehr in die Kritik. Arno Klönne, Mitautor des Buches "Netzwerk der Macht", kam nach Gütersloh, um gegen die Gemeinnützigkeit der umstrittenen Konzernstiftung zu argumentieren. Der Paderborner Professor präsentierte vor 100 Zuhörern Beispiele. So hält die Stiftung direkt Anteile an Europas größtem Medienkonzern. Außerdem treibe die Stiftung die Geschäfte von Bertelsmann aktiv voran. Nach einem Bericht des Lokalblatts "Neue Westfälische" wies Klönne auf die Bertelsmann-Mediendienstleistungstochter Arvato hin. Das Gütersloher Unternehmen habe eigens eine Firma gegründet, um Aufgaben in öffentlichen Verwaltungen wie in England zu übernehmen. Die Stiftung habe mit Projekten die "Begleitmusik" dazu geliefert, immer wieder die "Klage über das bürokratische Elend" beschworen und so den Boden bereitet. "Hier ist das bertelsmannsche Prinzip gut zu beobachten. Erst wird ein Thema von der Stiftung gesetzt, dann wird es über das von Ihnen aufgebaute Netzwerk aus Politikern der verschiedenen Coleur, Wissenschaftlern und Interessenvertretern der Wirtschaft zu einem öffentlichen Problem gemacht, für das dann der Konzern auch noch die richtigen Lösungen hat", sagte Klönne.

Die Kritik des Sozialwissenschaftlers kommt für die Mohn-Familie zu einer Unzeit. Angesichts des Schuldenberges und der Wachstumsproblematik des Konzerns kann der Gütersloher Medienriese keine Diskussion um die Gemeinnützigkeit seiner mächtigen Stiftung brauchen. Das wissen offenbar auch die kritischen Wissenschaftler und verschärfen ihre Kritik.


"Die Glocke" vom 09.06.2007:

Das System Bertelsmann

von Gerrit Dinkels

Gütersloh (gl). Ist die Bertelsmann Stiftung eine gemeinnützige Einrichtung oder nur der verlängerte Arm des Bertelsmann-Konzerns? Um diese Frage und die Legitimität der Einflussnahme auf Politik und Gesellschaft kreisen die Beiträge des jüngsten kritischen Buchs über den Gütersloher Konzern und die Stiftung ("Netzwerk der Macht - Bertelsmann"). Einer der Autoren, Professor Dr. Arno Klönne von der Universität Paderborn, skizzierte seine Thesen am Mittwochabend in der Weberei.

Der Sozialwissenschaftler sprach auf Einladung des Forums linker Gewerkschafter OWL. Ihm lauschten knapp 100 interessierte Gäste, darunter einige wenige Mitarbeiter von Stiftung und AG. Klönnes Thema sind die öffentliche Verwaltung und gemeinsame Aktivitäten mit privaten Unternehmen (Public Private Partnership, PPP). Auf diesem Feld sind sowohl die Stiftung als auch die AG aktiv. Wie berichtet, hat die Dienstleistungstochter Arvato in England Teile der Verwaltung des Landkreises East Riding übernommen. Unlängst wurde auch eine Vereinbarung mit der Stadt Würzburg unterzeichnet. Das Grundmuster sei immer gleich, so Klönne. Zunächst gelte es, ein Problem zu identifizieren und zu transportieren, beispielsweise "die Klage über das bürokratische Elend" in öffentlichen Verwaltungen. Sei das Problem erst hinreichend gefördert, entstehe Beratungsbedarf. Wenn auch dieser Stand erreicht sei, müsse man Lösungen anbieten, zum Beispiel PPP. Dann gelte es, für diese Lösungen über die Medien Akzeptanz herzustellen. Klönne: "Zum Teil kann man bei der Lösung des Problems auch selbst tätig werden." Auf diese Weise schließe sich der "Kreislauf". Da tue sich ein riesiges Geschäftsfeld auf. Ein Teil des Beratungserfolgs resultiere aus einem ausgeklügelten Netzwerk. Da die Stiftung "keine Präferenz für eine parteipolitische Richtung" habe, erwecke sie den Anschein der Unabhängigkeit. Lösungsansätze erschienen folglich als "reiner Sachzwang". Klönne: "Wenn das so ist ist, wozu brauchen wir dann noch Regierungen und Parlamente?" Letztlich habe die ideell von Stifter Reinhard Mohn geprägte Stiftung auf alle Fragen nur eine Antwort. Staat und Gesellschaft müssen funktionieren wie ein Unternehmen. Das "Leitgestirn" seien dabei Effizienz, Wettbewerb und Leistungsvergleich. Die eigentliche Mission sei es, öffentliche Leistungen umzuwandeln in private Güter, die auf dem Markt gehandelt werden könnten. Klönne: "Wo Waren gehandelt werden, geht es um Profit. Das muss man beim Namen nennen." Klönne forderte, man müsse "offen legen, was da vor sich geht" und deutlich machen, welche Interessen dahinter stünden. Die Stiftung unterliege keiner Kontrolle von Außen.


"Die Glocke" vom 09.06.2007:

Gemeinnützigkeit in Frage gestellt

Gütersloh (din). Wegen ihres großen Einflusses gerät die Bertelsmann Stiftung immer wieder auch selbst ins öffentliche Interesse. Aus diesem Grund hatte sich die größte deutsche operative Stiftung bereits aus dem Tätigkeitsfeld Medien zurückgezogen. Eine Verquickung mit Konzern-Interessen wollte man sich nicht nachsagen lassen. Der gerade im BdWi-Verlag (Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler) beleuchtet auch das Mitwirken der Bertelsmann Stiftung an Prozessen wie der Gesundheits- und der Arbeitsmarktreform (Hartz), den Einfluss auf Schule und Hochschule (über das Centrum für Hochschulentwicklung / CHE) und die internationalen Beziehungen (über das Centrum für angewandte Politikforschung München / CAP). Dabei wird auch die Gemeinnützigkeit in Frage gestellt. Professor Dr. Arno Klönne sagte am Mittwoch, in den USA werde die Diskussion über die Verquickung von Wirtschaftsunternehmen und Stiftungen bereits geführt. Diese Diskussion werde sich auch in Deutschland beleben. Klönne: "Es könnte gut sein, dass der Anspruch auf Gemeinnützigkeit in Schwierigkeiten gerät."

 

 
 Vortrag und Diskussion:
Netzwerk der Macht - Bertelmann

 
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