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 Veranstaltung vom 12. Oktober 2006:

Arme Kinder - Reiches Land

Kinderarmut in Deutschland

Vortrag und Diskussion mit:
Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Köln

Moderation:
Josef Eich, Geschäftsf. des Familienbundes der Katholiken
im Erzbistum Paderborn e.V.

Download "Arme Kinder - reiches Land"...

Download "Disziplinierung durch Armut"...



Referierte über Kinderarmut (l.): Prof. Dr. Christoph Butterwegge, rechts: Moderator Josef Eich (Familienbund der Katholiken)


Zur Veranstaltung:

Die Parteien und PolitikerInnen beteuern unentwegt, Kinder- und Familienfreundlichkeit habe oberste Priorität. Aber die Realitäten geben ein anderes Bild - Armut bei Kindern in Deutschland breitet sich aus, immer mehr Familien geraten in Existenznöte.

Was sind die Ursachen dafür ? Welche familienpolitischen Konzepte bieten sich an ? Prof. Dr. Christoph Butterwegge thematisiert Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen dieses neuen Armutstypus aus einer interdisziplinären Perspektive und entwickelt Strategien zur Bekämpfung der Kinderarmut.

Prof. Dr. Christoph Butterwegge leitet die Abteilung für Politikwissenschaft an der Universität zu Köln. Wissenschaftliche Arbeiten zur Entwicklung und Ursachenforschung von Kinderarmut.

Zahlreiche Veröffentlichungen, u.a.: Christoph Butterwegge/Michael Klundt/Matthias Zeng: Kinderarmut in Ost- und Westdeutschland, Wiesbaden (VS - Verlag für Sozialwissenschaften) 2005;
Zuletzt erschienen: Krise und Zukunft des Sozialstaats, Wiesbaden 2006.


Presseecho:

Paderborn keine Insel der Seligen -

Arme Kinder, reiches Land.

vom 13.10.2006

(lifo) "Eine zunehmende Schicht von Kindern und Jugendlichen unterliegt sozialer Ausgrenzung, während eine Minderheit unter maßgeblicher Beteiligung der Regierungspolitik immer mehr Reichtum anhäuft." So lautete die Diagnose von Professor Christoph Butterwegge zur gegenwärtigen Situation in der Bundesrepublik bei einer Veranstaltung des Linken Forums zum Thema "Kinderarmut in Deutschland". In seinem engagierten Vortrag verwies der Kölner Sozialforscher auf die sich vertiefende Kluft zwischen Arm und Reich. Hiervon ginge, so seine Befürchtung, eine "akute Gefahr für den inneren Frieden, die Humanität und die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft" aus.

Um ein Bild vom derzeitigen Ausmaß der Kinderarmut in der Bundesrepublik zu geben, nannte Butterwegge aktuelle Zahlen: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit lebten im April 2006 1,89 Millionen Kinder in "Hartz IV-Haushalten". Hinzuzurechnen seien Kinder in Sozialhilfehaushalten, in Asylbewerber-Familien, die weniger als die Sozialhilfe erhalten, und sogenannte Illegale, die keine Transferleistungen beantragen können. Unter Berücksichtigung einer Dunkelziffer von eigentlich Anspruchsberechtigten, die aus Unwissenheit oder Scham keinen Antrag auf Sozialhilfe bzw. ALG II stellen, würden etwa 2,2 bis 2,5 Millionen Kinder, d.h. mindestens jedes fünfte Kind, auf Sozialhilfeniveau leben.

Doch auch diese Schätzung, so Butterwegge, bleibe ungenau, wenn nicht berücksichtigt werde, dass qualitative, etwa psychosoziale Kriterien für das Armsein ihr Gewicht haben. Denn Armut bedeute Einschränkungen der Kinder in ihrer "kognitiven Entwicklung, in schulischer Leistungsfähigkeit, der psychischen Stabilität und physischen Konstitution". Nehme man diese Gruppe hinzu, steige die Zahl armer Kinder auf schätzungsweise 3 bis 3,3 Millionen!

Paderborn sei, so Butterwegge, in Sachen Kinderarmut kein Extremfall, aber keineswegs eine Insel der Seligen; in der Statistik liege die Stadt hier auf mittlerem "Niveau", - kein Grund, das Problem zu verdrängen.

Butterwegge betonte, dass die Bundesrepublik insgesamt ein reiches Land sei. Wer über Armut spreche, müsse auch über Reichtum sprechen. Während erstere sich weiter ausbreite, würden die Reichen und Superreichen in der Bundesrepublik aus ihrer finanziellen Verantwortung für das Gemeinwesen nicht nur entlassen, sondern sogar durch die Politik der etablierten Parteien weiter begünstigt. "Multimillionärs- und Milliardärskinder erhalten zum Jahreswechsel weitere Steuergeschenke der Großen Koalition, die die Champagnerkorken bei den Burdas, Oetkers, Quandts und Springers noch lauter knallen lassen".

In der Diskussion des Vortrags, moderiert von Josef Eich (Familienbund der Katholiken), erhob niemand den Anspruch auf ein Patentrezept gegen die soziale Ausgrenzung. Überwiegend aber wurde die Meinung geäußert, ein Wandel zum Besseren hin sei nur zu erwarten, wenn die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich - nicht nur Kinder betreffend - im gesellschaftlichen Alltag zum Konfliktthema werde. Soziale Gerechtigkeit könne nicht als "Geschenk des Staates" erhofft werden, nur als Ergebnis des Engagements der Bürgerinnen und Bürger.

 

 
 Arme Kinder - Reiches Land
Kinderarmut in Deutschland

 
  
 Diskussion mit Prof. Butterwegge

 
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