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 Aktion am Freitag und Samstag, 15./16. September 2006:

Aktionstage "Genug ist genug!"


Infostand und Kundgebung in der Westernstraße, Paderborn



Paderborn soll durch soziale Solidarität überzeugen
(18.09.2006)

Öffentliche Anmahnung des Sozialen Bündnisses Paderborn

Bei einer Kundgebung des Sozialen Bündnisses Paderborn (aus DIP, DGB, Arbeitslosenzentrum und Linkem Forum) erneuerte Hans-Dieter Luerweg (DIP) die Forderung nach Einführung eines Sozialpasses. Durch Vergünstigungen etwa beim Nahverkehr, bei kulturellen, sportlichen oder Bildungsangeboten müsse bedürftigen Menschen die gesellschaftliche Teilhabe weiterhin ermöglicht bleiben. "Wir hoffen, dass der Kreis Paderborn uns unterstützt und die Einführung eines Sozialpasses durch Städte und Gemeinden anregt," so Luerweg.

In einer engagierten Rede im Anschluss fragte Professor Arno Klönne (Linkes Forum Paderborn): "Die Konjunktur brummt - aber für wen?" Ganz unverkennbar seien ein Anstieg der Kinderarmut, ein Mangel an Ausbildungsplätzen für Jugendliche, eine anhaltende Massenarbeitslosigkeit Realitäten - entgegen aller statistischen Kosmetik. Als weitere Belege für die - von der herrschenden Politik offenbar gewollte - gesellschaftliche Spaltung nannte Klönne die Kürzung der öffentlichen Mittel für Bildung, Jugendarbeit  
und soziale Hilfe, faktische Kürzung der Renten, Ausbreitung von schlecht bezahlten Jobs, die nicht mehr existenzsichernd seien. Die Zahl der verschuldeten Haushalte steige weiter an, die Erhöhung der Mehrwertsteuer werde vor allem die kleinen Konsumenten treffen.

Es sei Zeit, dem vor Ort ein energisches "Halt, Stopp, Umkehr!" entgegenzustellen, so Klönne. Man solle nicht immer nur an die "große Politik" in Berlin oder in Düsseldorf appellieren, sondern alle lokalen Chancen nutzen: Über die Armutsentwicklung im eigenen Terrain endlich offen reden und gemeinsam Alternativen entwickeln; die Kommunalpolitik unter Druck setzen, damit sie nach ihren Möglichkeiten Ausgleich schafft; selbstorganisierte soziale Hilfe ausbauen und fördern. Klönne: "Nehmen wir doch den Werbespruch "Paderborn überzeugt" beim Wort und präzisieren ihn - Wir wollen, dass Paderborn überzeugt durch soziale Solidarität!"


Presseecho:

Pressebericht in der Neuen Westfälischen vom 18.09.2006:

Nur die eigene Power hilft

Arno Klönne fordert ein großes Soziales Bündnis gegen die Armut in Paderborn

VON R. MAORO

Paderborn (rom). Angesichts weiter fortschreitender Verarmung weiter Teile der Bevölkerung fordert Professor Dr. Arno Klönne ein Soziales Bündnis aller Parteien und Interessengruppen für Paderborn.

Im Gegensatz zu Gegenden im Ruhrgebiet, wo die Diskrepanz von Arm und Reich direkt ins Auge springt, sei der Trend zur Verarmung in Paderborn nicht so auffällig, sagte Klönne am Samstag am Informationsstand des (bereits existierenden) Sozialen Bündnisses Paderborn, dem die Demokratische Initiative (DIP), der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), das Arbeitslosenzentrum und das Linke Forum angehören. Klönne führt dies auf die starke Präsenz caritativer Einrichtungen zurück, wie auch auf den ländlich geprägten Paderborner Raum, in dem der traditionelle Zusammenhalt von Familien und Nachbarn noch besser funktioniere als in den Großstädten.

Dass die Wirtschaft zur Zeit etwas besser läuft, ist für Klönne kein Grund zur Entwarnung: "Die Wirtschaft boomt. Es boomen aber auch Dinge wie Kinderarmut, die Zahl der überschuldeten Haushalte oder die Preise für die elementare Lebenshaltung." Es gebe keine wirklich tiefgreifende Erholung auf dem Arbeitsmarkt und der Trend zur Verarmung vieler Menschen werde sich fortsetzen. Es sei die Frage, wie lange die Gesellschaft das noch aushalten könne, meint der Sozialwissenschaftler.

Um dieser Bewegung entgegen zu steuern, müsse man sich rechtzeitig Gedanken machen, und zwar auch vor Ort. Nur ein Appell an die "große Politik" in Berlin reiche nicht aus: "Auf die Dauer wirkt nur Power - und zwar die eigene!" Drei Dinge hält Klönne für erforderlich:

  • Das Thema Armut überhaupt auf die Tagesordnung zu setzen und es nicht weiterhin zu ignorieren.
  • Die kommunale Politik müsse ihre Spielräume nutzen und aktiv werden. Klönne: "Ein Sozialpass für Paderborn ist doch wohl das mindeste, was man von unseren Politikern erwarten kann."
  • Es müssten mehr Selbsthilfeprojekte nach genossenschaftlichem Vorbild ins Leben gerufen werden.

Das Thema sei zu wichtig und zu drängend, um in der Konkurrenz verschiedener Interessengruppen zerrieben zu werden. Deshalb fordert Klönne, in Paderborn ein Soziales Bündnis auf die Beine zu stellen, mit allen Parteien und allen Gruppen (wie zum Beispiel Mittelstandsvereinigung und Gewerkschaften) an einem Tisch.


Pressebericht im Westfälischen Volksblatt vom 18.09.2006:

"Sozialpolitik ist eine Gemeinschaftsaufgabe"

Das Problem auch in Paderborn thematisieren

VON HUBERTUS HARTMANN

Paderborn (hh). Den Paderbornern geht's gut - ganz allgemein betrachtet. "Tatsächlich ist die soziale Aufspaltung noch nicht so extrem und augenfällig", räumt der Paderborner Sozialwissenschaftler Prof. Arno Klönne ein. Um gleichwohl zu warnen: "Aber auch hier vor Ort dürfen wir das Thema nicht verdrängen und müssen uns rechtzeitig Gedanken machen".

Klönne war Hauptredner einer zweitägigen Informationskampagne in der Westernstraße. Unter dem Motto "Genug ist genug!" lenkte das Soziale Bündnis Paderborn, ein Zusammenschluss von DIP, DGB, Arbeitslosenzentrum und Linkem Forum, den Blick auf sozialpolitische Themen.

Sicherlich sei die soziale Polarisierung in den neuen Bundesländern oder dem nördlichen Ruhrgebiet deutlicher ausgeprägt als im ländlich strukturierten Paderborn, sagte Klönne. Hier werde Vieles durch karitative Einrichtungen aufgefangen, und auch die noch weitgehend intakte Familienstruktur wirke stützend. Doch Tendenzen sozialer Verarmung seien auch in Paderborn erkennbar. Klönne: "Am Arbeitsmarkt gibt es keine wirkliche Erholung, Kleinbeschäftigungsverhältnisse nehmen wohl zu, können aber auf Dauer die Existenz nicht sichern".

Deshalb dürfe man die Probleme nicht länger totschweigen, sondern müsse sie bis hinunter ins Vereinsleben thematisieren. Die Stadt müsse ihren sozialpolitischen Spielraum besser nutzen und genossenschftliche Selbsthilfe fördern. Kommunalpolitiker sollten sich von der üblichen Denkweise trennen und Fronten überwinden. "Sozialpolitik ist beispielsweise eine gemeinsame Aufgabe von Gewerkschaften und Mittelstandsvereinigung", mahnte Klönne. (...)

 

 
Freitag/Samstag, 15./16.09. 2006:
Aktionstage "Genug ist genug!"
 
  
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