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Veranstaltung des Linken Forums Paderborn

DIE HARTZ IV DIKTATUR
Die Zerstörung der Menschenwürde und des Wertes menschlicher Arbeit
 
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  Vortrag und Diskussion mit

Inge Hannemann (Hamburg)

Dienstag, 7. März 2017
um 20:00 Uhr


Kulturwerkstatt
, Cafeteria
Bahnhofstraße 64, Paderborn

In Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung NRW und dem Paderborner Arbeitslosenzentrum e.V.
 
 

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Zur Veranstaltung:


Inge Hannemann arbeitete als Kaufmännische Angestellte und als Coach für Arbeitssuchende. 2006 wurde sie Arbeitsvermittlerin im Jobcenter Hamburg-Hamm, 2011 in Altona. Im Frühjahr 2013 stellte man sie aufgrund ihres «Brandbriefes» an die Bundesagentur für Arbeit, in dem sie auf Missstände im Zusammenhang mit Hartz IV hinwies, frei. Nach dem Landesarbeitsgericht ruht derzeit der Prozess.

2013 wurde sie mit dem taz-Panter-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet, 2014 erhielt sie den Clara-Zetkin-Frauenpreis der Partei Die Linke. Im Februar 2015 wurde sie auf der Liste der Partei Die Linke in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt.


Presseberichte:

vom 16.03.2017


Im Kampf gegen ein "menschenverachtendes System"

Hartz IV-Kritikerin Inge Hannemann beim Linken Forum Paderborn

(lifo/cs) Inge Hannemann ist als „HartzIV-Rebellin“ bundesweit bekannt. Mit einem "Brandbrief" an die Bundesagentur für Arbeit, in dem sie Missstände bei den Jobcentern offen benannte, hatte sie im April 2013 nicht nur für reichlich Schlagzeilen gesorgt, sondern auch ihre berufliche Karriere als Arbeitsvermittlerin aufs Spiel gesetzt. Wenig später wurde sie von ihrer Tätigkeit im öffentlichen Dienst suspendiert. Hannemann, heute Bloggerin, Autorin, freie Fachjournalistin für Soziales und Arbeitsmarktpolitik und Abgeordnete in der Hamburgischen Bürgerschaft für die Partei Die Linke hielt beim Linken Forum Paderborn ein leidenschaftliches Plädoyer für das Engagement für erwerbssuchende Menschen und gegen das ihrer Meinung nach "menschenverachtende Hartz-System". Die Veranstaltung fand statt in Kooperation mit dem Paderborner Arbeitslosenzentrum (PadAlz).

Unmenschlich sind für Hannemann die Hartz IV-Regelungen, weil ohne Rücksicht auf die individuelle Situation der Menschen Sanktionen verhängt würden, die die Betroffenen nicht selten in schiere Verzweiflung trieben. Tag für Tag, so Hannemann, geschähen in den Jobcentern "menschliche Tragödien durch rigide Regelanwendungen", obwohl eigentlich Ermessensspielräume bestünden. Dennoch wollte Hannemann kein pauschal negatives Urteil über ihre ehemaligen Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeitsvermittlung abgeben. "Das System ist es, das Fehlverhalten und unmenschliche Regelauslegungen gegen die sogenannten "Kunden" befördert."

Darüber hinaus, so Hannemann, hätten die "Agenda-2010-Reformen" das Antlitz der Republik insgesamt dramatisch verändert. Seit 2005, dem Jahr des Inkrafttretens der Hartz-Regelungen, sei ein steiler Anstieg prekärer Beschäftigungsverhältnisse zu verzeichnen. Die heute über eine Million Leiharbeiter würden schon seit langem nicht mehr zeitweilig bei Produktionsspitzen eingesetzt, sondern sie ersetzten in zunehmendem Maß die Stammbelegschaften in den Betrieben und verdienten im Durchschnitt gerade einmal gut die Hälfte. Das Hartz-System würde, so Hannemann, die Vermittlung Arbeitssuchender in befristete Leiharbeitsverhältnisse belohnen, denn: "Für jeden einzelnen Vermittlungserfolg erhalten die Jobvermittler ein Sternchen, was sich bei Tätigkeiten mit kurzer Frist als besonders vorteilhaft auswirkt. Da kann man als Vermittler in schneller Folge ordentlich Pluspunkte sammeln. Eine längerfristige Jobperspektive entsteht für die Erwerbssuchenden auf diese Weise allerdings nicht."

Hannemann ist davon überzeugt, dass die Hartz-Reformen seit ihrer Einführung nicht einen einzigen zusätzlichen Job geschaffen hätten, sondern Arbeit durch massiven Druck auf die Erwerbssuchenden lediglich anders verteilt habe - zuungunsten der Qualität der Arbeitsverhältnisse. "Der Effekt der Agenda-Politik bestand in der Schaffung eines riesigen Sektors prekärer Beschäftigung." Genau das sei denn auch die eigentliche Intention der Hartz-Gesetze gewesen, wie Kanzler Gerhard Schröder freimütig im Jahre 2010 beim Weltwirtschaftsforum in Davos vor Industrievertretern bekundet habe, als er sich damit brüstete, in Deutschland den "größten Niedriglohnsektor Europas" geschaffen zu haben.

Inge Hannemann, die sich insbesondere aus Gründen der Sanktionsfreiheit und der Armutsfestigkeit für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommen stark macht, bietet mit Ihrer Online-Plattform "Sanktionsfrei.de" Menschen, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind, konkrete und kostenlose Hilfe an bei Einsprüchen gegen verhängte Sanktionen durch die Jobcenter. Das Internetportal wird unterstützt von sachkundigen Fachanwälten. Hannemann: "Es geht bei allen Aktionen um einen menschlichen Umgang mit Arbeitssuchenden." Die mehrfach, unter anderem mit dem "taz-Panter-Preis für Zivilcourage", ausgezeichnete Aktivistin und Politikerin ist überzeugt: "Alternativen für eine sozialere Arbeitsmarktpolitik sind möglich." Auch auf lokale Erfolge im Kampf gegen Behördenentscheide konnte sie eindrucksvoll verweisen.

 

 
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