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Dokumentation:
Archiv
Veranstaltung
am Sonntag, 16. Oktober 2005:
Wie weiter mit der Linken? Politischer
Frühschoppen des Linken Forums
Paderborn Kuturwerkstatt,
Cafeteria Bahnhofstr. 64, Paderborn Beginn:
11.00 Uhr 
 
im
Podium: Ulla
Lötzer, MdB Linkspartei, Köln Roswitha Köllner,
Demokratische Initiative Paderborn Ellen Diederich, Linker Frauenaufbruch,
Oberhausen Inge Höger-Neuling, MdB Linkspartei, Herford
 Moderation:
Prof. Dr. Arno Klönne 

Zum Thema: Die Bundestagswahl, so der Vorsitzende
der IG Metall, habe zum Verdruss der Neoliberalen gezeigt: "In der Bundesrepublik
gibt es eine politische Mehrheit links von der Mitte". Aber welchen Effekt
hat das? Eine linke Regierungspolitik ist keineswegs zu erwarten. Die
"Linkspartei" ist jetzt im Bundestag, mehr als vier Millionen Wählerinnen
und Wähler haben sich für sie entscheiden. Wie wird sich diese Partei
weiterentwickeln? Bringt sie frischen Wind in die deutsche Parteienlandschaft?
Schließen sich WASG und Linkspartei zu einer politischen Organisation zusammen,
kommen neue Gruppierungen hinzu? Allein durch Auftritte im Parlament
ist ein Wandel der gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse nicht zu bewirken.
Wie geht es weiter mit den sozialen Bewegungen außerhalb des Parlamentsbetriebs
- wie verhält sich dazu die Linkspartei? 
 
Presseecho: Neue Westfälische vom 16.10.2005:
"Konsequent oppositionelle Kraft" Politischer
Frühschoppen zur Weiterentwicklung linker Politik "Wie
weiter mit der Linken?" Unter diesem Titel fand am Sonntag ein "Politischer
Frühschoppen" des Linken Forums Paderborn in der Kulturwerkstatt statt,
im Podium Ulla Lötzer und Inge Höger-Neuling (beide für die Linkspartei
im Bundestag), Ellen Diederich (Linker Frauenaufbruch) und Roswitha Köllner
(Demokratische Initiative Paderborn, DIP).
Abb.
von links: Prof. Dr. Arno Klönne (Moderator), Inge Höger-Neuling
(MdB Linkspartei), Ulla Lötzer (MdB Linkspartei), Roswitha Köllner (Demokratische
Initiative Paderborn), Ellen Diederich (Linker Frauenaufbruch)
Moderator
Arno Klönne brachte zu Beginn die denkbaren Funktionen und das mögliche
Selbstverständnis linker Parlamentsarbeit auf drei Alternativen. Wolle man
vornehmlich "Stachel im Fleisch" der Sozialdemokratie sein, erstrebe
man mittelfristig die Rolle einer neuen, moderaten "Volkspartei" oder
werde auf eine konsequente Oppositionspolitik im Zusammenspiel mit außerparlamentarischen
Politikformen abgezielt. Ulla Lötzer (MdB Linkspartei) bestimmte die Rolle
der Linkspartei als "konsequent oppositionelle Kraft". Da von der Sozialdemokratie
kein Abrücken etwa von der Agendapolitik und Hartz IV zu erkennen sei, kämen
Formen der Zusammenarbeit absehbar nicht in Betracht. Dieser Einschätzung
schloss sich Inge Höger-Neuling (MdB Linkspartei) ausdrücklich an. Als
wichtigstes Aufgabenfeld benannte sie die gegenwärtig noch ganz in den Anfängen
steckende lokale Verankerung des neuen Linksbündnisses. "Wir sind zwar
jetzt im Parlament, aber noch keine gesellschaftspolitische Kraft", so Höger-Neuling.
Roswitha Köllner
(Vorsitzende der DIP) und Ellen Diederich (Linker Frauenaufbruch) stellten denn
auch in diesem Zusammenhang die Forderung auf, dass Erfahrungen aus außerparlamentarischen
Aktivitäten stärker in die Parlamentspolitik einfließen müssten.
In Paderborn, so Köllner, seien z.B. der maßgeblich von der DIP initiierte
Protest gegen die E.ON-Energiepreispolitik oder der Bürgerprotest gegen den
geplanten Neubau des Rolandsbades weitgehend ohne jeden Rückhalt der Parteien
erfolgt. Ellen Diederich sah beim Kampf gegen Hartz IV zwar die Chance, dass eine
starke linke Kraft in den Parlamenten dem Protest eine zusätzliche wirkmächtige
Stimme verleihen könne, sie wies jedoch auch auf die Gefahr einer Instrumentalisierung
außerparlamentarischer Initiativenarbeit hin. Inge
Höger-Neuling und Ulla Lötzer betonten, dass der Linkspartei im Bundestag
sehr an der engen Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen gelegen sei. Gemeinsamer
Nenner oppositioneller Anstrengung müsse es sein, die "neoliberale Hegemonie
im Denken" zu durchbrechen. Wenn es gelänge, gesellschaftspolitische
Alternativen wieder in die öffentliche Diskussion zu bringen, sei schon ein
erster wichtiger Schritt getan. "Daran mitzuarbeiten sind alle sozialen und
politischen Gruppen aufgerufen und wir nehmen vor Ort jederzeit gern das Gespräch
auf" betonte Höger-Neuling. Eine
Linkspartei im konventionellen Politikstil, so der Tenor der Diskussion mit dem
Publikum, sei nicht zu wünschen. Neue Möglichkeiten einer "Demokratie
von unten" sollten erprobt werden. |